28
Mrz
2018
14

RAW vs. JPG und was die Sony dafür kann, dass es mir egal wird

Was habe ich früher für das RAW gekämpft! In meinem ersten Buch „Abenteuer Fotografie“ habe ich diesem Thema ein ganzes Kapitel gewidmet. Seit ich mit der Sony Alpha 9 fotografiere, merke ich jedoch, dass sich die Zeiten geändert haben und der Effizienzgewinn eines JPG´s hinsichtlich Geschwindigkeit in der Bildverarbeitung für mich immer größer geworden ist, zumal die Sony Alpha 9 bei der JPG Aufbereitung wirklich ganze Arbeit leistet.

Dem langjährigen Leser wird sicherlich auffallen, dass ich früher darauf bestanden habe, beide SD-Karten Slots mit RAW´s zu versorgen, damit die Backup-Kette gegeben ist. Seit meinem Wechsel zum elektronischen Sucher der Sony Alpha 9 merke ich jedoch, dass ich keinerlei Belichtungsschwankungen mehr habe und mir deshalb der größte Nutzen eines RAW´s (großer Dynamikumfang beim Ausgleich der Belichtungsschwankungen) weggefallen ist (Im letzten Artikel auf Seite 4 habe ich darüber bereits ein paar Worte verloren). Der Weißabgleich funktioniert auch vorzüglich, ich hatte bei der Alpha 9 jedenfalls noch nie ernsthaft einen komplett vergeigten Weißabgleich. Bei Motiven mit großem Dynamikumfang gleicht die Kamera diesen bei der JPG-Aufbereitung direkt intern aus. (ACHTUNG ALPHA 9 Nerd Einstellung: Hierfür habe ich im Menü A1 auf Seite 10 in der Funktion „DRO/AutoHDR“ eine Dynamikbereichsoptimierung (auf LV4) eingestellt.) Diese sorgt dafür, dass die Schatten des JPG´s gut aufgehellt werden und ich dies hinterher nicht noch in der Nachbearbeitung machen muss. Mein „Kreativmodus“ (ebenfalls im Menü A1 auf Seite 10) steht auf „Standard“.

Auch die Objektivkorrektur sowie das Entrauschen der Bilder bei hoher ISO arbeitet die Kamera bereits intern so gut ab, dass ich mir irgendwann die Frage gestellt habe, wozu ich überhaupt noch ein RAW fotografiere, wenn das JPG eigentlich perfekt aus der Kamera kommt und ich nur noch mein Lieblings-Preset in Lightroom drüber bügeln muss. Und so begann ich irgendwann damit, heimlich JPG´s zu fotografieren und kam zum Ergebnis, dass damit alles schneller und einfacher läuft, zumal Lightroom ja eine echt lahme Krücke geworden ist. Mittlerweile sieht mein Workflow so aus, dass ich nach wie vor das RAW auf den schnellen ersten Slot schieße, im zweiten SD-Karten-Slot landet dann allerdings nur noch das JPG. In den meisten Fällen, reicht mir das. Natürlich gibt immer mal wieder Einsatzzwecke wie Katalog-Shoots, bei denen ich ein RAW bevorzuge, aber mein Fotografen-Alltag spricht doch oft eine einfachere Sprache.

Eine Sache, die ich bei meinem Wechsel von Nikon hin zu Sony etwas verwirrend fand, war das Handling der Bilddaten. Die aus meiner Sicht relativ einfache Funktion: „Schreibe RAW auf Karte 1 und das dazugehörige JPG auf Karte 2“ war bei Nikon schlicht durch ein kleines Häkchen gelöst, bei Sony musste ich mich hierfür durchs gesamte Menü fuchsen. Die Option „Qualität“ findet sich im Menü A1 ganz oben, soweit so gut. Will man jetzt aber das RAW vom JPG Kartenseitig trennen, muss man ins Menü 5 auf Seite 7 und im Aufnahmemodus die entsprechende Sortierung wählen. Auf der selben Menü-Seite findet sich dann auch die recht nützliche Funktion „Aufn.-Med.-Auswahl“, die der Kamera schlicht erzählt, dass sie bei der Bildkontrolle im Display oder Sucher die JPG´s von Karte 2 im Display anzeigen soll (was durchaus zu einem Gewinn an Schnelligkeit führt).

Apropos Schnelligkeit:

Ich hatte am Anfang die Funktion „Komprimiertes RAW“ aktiviert, was dazu führt, dass die RAW´s auf Karte 1 wesentlich geringere Datei-Größen aufweisen, bin davon aber recht schnell wieder abgekommen, weil es die Verarbeitung der RAW´s in Lightroom dadurch unglaublich ausbremst.

In der nächsten Blogpost zeige ich, wie man die JPG´s blitzschnell und ohne Umwege direkt aus der Kamera auf den Picdrop Server lädt.

Vielen Dank für Eure geschätzte Aufmerksamkeit

P.S. Früher war alles viel besser. Ich weiss!

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Hey Steffen, wie hast Du denn Deine Knöppe an der Sony Alpha 9 programmiert?

18 Responses

  1. Pingback : Der Kameraführer, V/H AF-F.wechs. und wie ich Fotos direkt aus der Kamera auf den Picdrop Server lade › Der Stilpirat

  2. Henning

    Hallo Steffen, ich verstehe es aber richtig: Du nimmst nicht nicht das Sony jpg als Endergebnis, sondern setzt in LR deine Lieblingspresets darüber und nicht mehr über das RAW?
    Danke dir. Henning

  3. Sönke

    Hallo,

    Ich überlege auch regelmäßig die Fuji JPEGs die ich Capture one eigentlich nur mal zum vergleichen eingeladen habe, auch wieder zusammen mit bearbeiteten Raws zu exportieren, aber wird dabei nicht die JPEG-Kompression doppelt angewendet und das Bild deutlich schlechter als vorher aufgelöst? Ausserdem wie sieht es aus wenn der Chip älter wird, können wie in Kamera Raw Konverter bzw. JPEG engines denn auch tote & heisse Pixel? Meine x100T hat da durchaus Probleme.

  4. Dominik

    es haben doch alle recht… Steffen Böttcher sagt schon das Richtige, wenn er meint, dass mittlerweile auch die JPGs eine hervorragende Qualität haben. Diese sind nicht mehr vergleichbar mit „aus der Kamera JPGs“ von vor 10 Jahren. Dank Hochleistungs-CPUs und guter Software packt so eine moderne Kamera nahezu alle Informationen in ein JPG Bild. Dies kann man für die meisten Sachen hervorragend nutzen.

    Dennoch haben hier auch viele andere Leute recht, die behaupten, dass RAW eben doch einen gleichmäßigeren Workflow mit besseren Daten ermöglicht. In der Auftragsfotografie sorgt nach wie vor RAW Daten dazu, dass unterschiedliche Kamera-Bodys, unterschiedliche Linsen, unterschiedliche Hersteller und insbesondere: Unterschiedliche Bedingungen vor Ort die gleichmäßigere Bildserie bietet. Und wenn die Daten so oder so durch eine Software am Rechner durch müssen, dann kann man auch RAW nehmen. Privat fotografiere ich gerne sehr kreativ. Architektur, Minimalismus, Industrie und Co.. Sorry, da geht nur Raw. Weil: Ich weiß bei der Aufnahme gar nicht zu 100% was ich später nutze, welche Bilder ich in Serie setze und was final meine Aussage sein wird. Sprich: Ich weiß teilweise bei der Aufnahme nicht warum ich das Bild mache. Ich habe da einfach nur ein verdammt gutes Gespür. Zu Hause am Rechner werden erst die Daten zu finalen Bilderserien entwickelt. Erst da mache ich mir Gedanken um Ausschnitte, Farben, Kontraste und Co.. Das mache ich nicht vor Ort.

  5. Carsten

    Wo ist denn nun dieses „Sony-Lager“? Wie sieht es da aus? Kriegt man da auch einen Helm? Würd‘ gern mal ’ne Reportage machen. Spaß beiseite, mich interessiert eher was du mit deiner Sony so treibst als die Einstellungen an derselben… wie ist es denn so im Bundestag, was machst du da, für wen und warum, pendelst du täglich oder wohnst du ’ne zeitlang in Berlin? Du bekommst doch sicher einen ganz anderen Eindruck wenn du den Leuten etwas dichter auf die Pelle rückst. Gibt’s bald ein Buch? „Logbuch Bundestag“ oder so?

  6. Andi

    Ja, ich kann Deine Gedanken nachvollziehen. Bin auch bei Sony gelandet (früher Canon ) und nutze meist die jpgs. RAW nehme ich auch auf braucht man aber kaum da die JPGs meist echt top sind.
    Wenn RAW dann mit Capture One. Ist mir lieber als LR und die Sony Edition ist sehr günstig.

  7. Hach ja, Lightroom… Capture One Pro für Sony gibt’s für nen Fuffi. Probier es aus. Bester raw Konverter (wenn man einen braucht) und richtig schnell. Vor allem im Vergleich zum ollen Lightroom.

  8. Verzeih mir, aber ich kann es nicht ganz verstehen. Meine Mutter (77) hat mir erzählt, dass sie unsere alten Dias eingescannt und weggeworfen hat. So ist es mit RAWs. Traurig.

  9. Hallo Steffen,

    Deine Argumente für JPG kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch ich nutze fast nur noch JPG out of Cam. Die Vorteile von Raw kenne ich, aber wenn ich auf diesen Vorteil nicht angewiesen bin, wozu dann noch mit diesem unnötigem Datenwust befassen? Die JPGs, die die D800 ausgibt, sind für mich meist ausreichend, nur noch Sättigung, Kontrast und Schärfe etwas anheben -- fertig! Weil bei JPG die Fehlertoleranz niedriger ist, muss man außerdem disziplinierter fotografieren. Nur bei Nacht, Porträts und komplexen Licht-Situationen greife ich nach wie vor zu Raw.

    Wer von Lightroom genervt ist: Affinity Photo, Luminar, On1, Photo Director, Capture One, SilkyPix, RawTherapee, … ich nutze Affinity und Luminar und bin froh, die Adobe-Pest aus dem Haus zu haben.

    LG aus IBK

  10. Markus

    Hallo .. ich bin schon seit Urzeiten im Sonylager .. und in der Debatte RAW vs JPG hat Sony ja sein ganz eigene Geschichte .. aber es gibt einen sehr guten Grund, warum selbst RAW-ONLY-Fotografen sich mit den JPG-Settings beschäftigen sollten. Diese haben Auswirkungen auf die Vorschaubilder der RAW´s und das nutze ich sehr oft.

    1) Wenn man gleich ein Bild direkt von der Kamera über das SmartPhone versenden möchte, dann sind es die JPG-Einstellungen die den Prozess deutlich beschleunigen, da keine Nacharbeit nötig ist (macht am Telefon eh keinen Spaß). Das kommt immer sehr gut an und steigert die Vorfreude ungemein beim Kunden/Interessenten/Familie.
    2) Im Elektronischen Sucher bekommt man so ein direktes Feedback, wie das Bild mal aussehen wird und das während man fotografiert. Damit ist es fast ausgeschlossen, dass man am Ende einer Reportage feststellt, dass das was nicht stimmt.

  11. Fred

    Hi Steffen, kannst du den Satz noch etwas näher beschreiben:
    Ich hatte am Anfang die Funktion „Komprimiertes RAW“ aktiviert, was dazu führt, dass die RAW´s auf Karte 1 wesentlich geringere Datei-Größen aufweisen, bin davon aber recht schnell wieder abgekommen, weil es die Verarbeitung der RAW´s in Lightroom dadurch unglaublich ausbremst.
    Wieso bremst Lightroom, wenn ich komprimierte RAWs verwende?
    Danke Dir 😉

    1. LR dürfte etwas länger benötigen um komprimierte RAWs einzulesen, weil es die Dateien vermutlich erst de-komprimieren muss. Denke, dass Steffen das meinte.

      LG aus IBK

  12. Hallo Steffen,

    Reportagen fotografiere ich genau wie hier beschrieben als JPG und RAW.
    In LR werden dann auch nur die JPGs importiert. RAW ist dann nur zur Sicherheit, falls man doch noch mal die extra Portion an Information benötigt.

    Leider habe ich noch nicht den idealen Workflow für das nachträgliche importieren der passenden RAWs gefunden.
    Vielleicht kennst Du oder einer Deiner Leser hier ein Plugin für LR?!

    Ich stelle mir den Workflow so vor, dass ich die betroffenen JPG-Bilder in LR markiere und es dann eine Funktion gibt, die mir die passenden RAWs importiert.

    Danke und Gruß
    Manuel

  13. Jörn

    Ich muss Dir da widersprechen. Es ist nicht die Belichtung, sondern die Dynamik, die mich auch bei der Sony zum Raw greifen lassen. Und darüberhinaus der Weißabgleich, der eben nicht immer gut sitzt und an dem ich auch „künstlerisch“ später manuell justieren möchte.

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