1
Nov
2016
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Über Tage, aus denen man auch zwei machen könnten (oder drei)

Ich mag ihren Geruch, denke ich noch und hoffe, dass ich für dieses „süßlich-kräuterige-mit-Dieselgestank-vermischte“ Parfüm dieser Großstadt nie Geruchsblind werde. Hanoi fühlt sich für mich mittlerweile so vertraut an, dass ich kaum noch fotografiere. Ein paar schnelle Instax-Bilder die sich in der Hosentasche verlieren, werden diesmal reichen. Als wir morgens um 5:30 Uhr in den Bus steigen um die Stadt für zwei Wochen zu verlassen, hätten wir uns den weiteren Verlauf dieses Tages nicht annähernd so ausdenken können…

Ja, es gibt Tage aus denen könnte man zwei machen und manchmal sogar drei. Wir brechen auf in Richtung Norden und finden uns nach einem halben Tag mitten in den Bergen wieder. Die 33°C Hitze weicht einem angenehmen 20°C Lüftchen mit hoher Feuchtigkeit. Der Nebel hier oben bringt meine fotografische Zündschnur zum glühen und ich laufe fast Amok, weil das Sujet meine fotografische Klammer des letzten Besuchs hier um wundervolle Aufnahmen ergänzt…

Wir hatten gerade noch alle zusammen gegessen und uns dann darauf verständigt, die Hauptstrasse in Richtung Süden zu verlassen – jeder für sich. Der Tour-Bus würde dann einfach jeden nach und nach einsammeln – so die Theorie, doch…

Möglicherweise ließ ich mich von den mir entgegenkommenden Nebelgestalten zu sehr beeindrucken, vielleicht folgten meine Augen nicht der Strasse sondern dem Sujet… Als mir nach über einer Stunde Fussmarsch immer noch kein Bus auf der Strasse folgte und die Fahrbahn sichtlich schmaler und unpassierbarer wurde und ich eigentlich darüber hätte nachdenken sollen, dass ich hier falsch bin, traf ich einen meiner Mitstreiter mit einem kleinen Jungen am Strassenrand – vergnüglich mit einem Instax-Bild in der Hand. Der Gedanke, ob wir hier jetzt wirklich noch richtig sind, verflog auch deshalb, weil sich auch eine weitere Mitstreiterin zu uns gesellte. Ok, drei Leute können ja nicht so blöd sein. Doch, das können sie. Und so marschierten wir zu Dritt immer weiter durch den Dschungel bis wir uns ansahen und beschlossen, dass dies der Moment sei, an dem wir uns eingestehen sollten, dass es a) zu spät zum umkehren (weil Nachts im Dschungel macht kein Spaß) und b) mit Sicherheit die falsche Strasse ist. Es fügte sich ein c) hinzu als wir merkten, dass es hier keinen Empfang für unsere Telefone mehr gab und ein d) als die Netze der Spinnen größer wurden… nunja, Abenteuer Vietnam – wir wollten es so. Die Mopeds, die immer mal wieder an uns vorbei zischten, ließen jedoch keinen wirklichen Zweifel zu, dass diese Strasse irgendwohin führen musste (was Strassen in der Regel ja auch den Nutzen gibt). Und in dem Moment, als die Dämmerung anfing keinen Spaß mehr zu machen und die Temperatur merklich abfiel, sahen wir in der Ferne ein paar Häuser – Zivilisation Juchhei! Blieb nur noch der fehlende Handy-Empfang…  Die Erklärungsversuche bei der ersten vietnamesischen Großfamilie des Dorfes liefen ins Leere und zugegeben –  damit hatten wir jetzt auch nicht gerechnet – schauten wir uns erstmal ratlos an. Ok, dann also weiter zum nächsten Haus. Wieder Fehlanzeige.

Als wir uns nach „20 Minuten Dorf“ bereits ausmalten, wie es ist, in einer der dünnen Hütten auf dem Holzboden zu nächtigen, fiel mir ein Feuer am Strassenrand auf, neben dem ein junger Kerl gemeinsam mit einer Flache Schnaps – ich glaub es nicht – TELEFONIERTE!! Rettung!

Im weiteren Verlauf fanden wir uns auf drei Motorrädern wieder, die von drei jungen Burschen geführt wurden, knatternd über einen nächtlich-nebligen Bergkamm, mit sichtlich unterkühlt- und klitschnassen Abenteurern auf dem Sozius, die sich ob der Fahrbahnverhältnisse am Gepäckträger festkrallten…

Wo ich im Verlauf des Abends dann noch die Kraft hernahm, in einer Bar nach ein paar Gin Tonic am Klavier „Easy like Sunday Morning“ zu intonieren wird mir für immer ein Rätsel bleiben. Immerhin, es gibt ein Zeugnis dieses Abends… und ja, die Fotos finde ich auch nicht so schlecht…

(In unserem Tourtagebuch kann man die Story übrigens aus Franks Sicht  nachlesen)

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Meine Instastory von dem Tag habe ich einfach mal als YouTube-Video zusammen gefasst:

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2 Responses

  1. Absolut genial. Wie lange ich schon vor habe dort hin zu gehen und es einfach noch nicht geschafft habe … nach deinen Bilder und Berichten steht jedoch fest das ich dort 2017 eine Fotoreise hinmachen MUSS! 😛 Danke für die Inspiration 😉

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