2
Feb
2018
5

Hebron – die Geisterstadt

Bewegt man sich durch Israel, sieht man eine Menge Moslems und Juden friedlich miteinander umgehen. In Tel Aviv feiern sie sogar gemeinsam am Strand… Ich habe gesehen, wie sie sich anlächeln und gemeinsam über die selben Scherze lachen. Manchmal reibt man sich die Augen weil es fast unwirklich scheint Der Alltag spricht augenscheinlich eine andere Sprache als das Bild, was man uns aus den Medien gibt. Ein hüpfendes Herz, verbunden mit einem inneren „na-geht-doch“ gibt Hoffnung…

Und dann taucht man ein in traurige Ecken wie in Hebron, wo man eine Pufferzone einrichten musste, damit sich Juden und Palästinenser in Ruhe lassen, dass nichts passiert. Und doch passiert immer wieder was. Diese Städte sind so genannte „Zone A“ Gebiete, die unter palästinensischer Kontrolle sind. Diese Gebiete sind durch Grenzen vom übrigen Teil Israels getrennt. Israelis dürfen diese „Zone A“ Gebiete nicht betreten, Palästinenser brauchen eine besondere Erlaubnis, wollen sie diese Gebiete verlassen. Ich traf in Bethlehem einen Mann der mir erzählte, dass er die Stadt seit 20 Jahren nicht verlassen durfte. Er bezeichnete sein Leben als eingesperrt-sein in einem Riesen-Gefängnis. Ich sprach mit einem Juden, der Teile seines Landes nicht besuchen darf und die Siedlungspolitik seiner Leute missbilligt. Er hat Palästinenser im Freundeskreis und ihm geht dieser ganze Konflikt gehörig auf den Keks.

Wir besuchen Hebron mit Merphie. Sie ist Jüdin, 24 Jahre alt und engagiert sich bei „Breaking the Silence“ – einer Organisation, die von Jehuda Schaul gegründet wurde (den ich vor 4 Jahren hier persönlich kennen lernte), um die eigenen Erlebnisse im Besatzungsdienst emotional zu verarbeiten und die Öffentlichkeit über Aspekte des Besatzungsalltags im Rahmen des Nahostkonflikts aufzuklären. (Quelle: Wikipedia) Breaking the Silence sammelt Aussagen und Dokumente von Soldaten über ihren Besatzungsdienst im Gazastreifen, auf dem Golan und im Westjordanland und bereitet diese für die Öffentlichkeit auf. Die Organisation ist Israel-Kritisch und deshalb innerhalb Israels nicht ganz unumstritten. Sie ist der Dorn im Blick auf den Konflikt.

Merphie bringt uns in die Pufferzone Hebron, erzählt von ihrem Alltag als Soldatin und erklärt uns die Zusammenhänge und geschichtlichen Hintergründe der absurden Situation dort. Auf etwa 850 jüdische Siedler kommen 650 stationierte Soldaten. Ihre Aufgabe ist, die Siedler dort vor Angriffen zu beschützen. Diese im Vergleich zur Einwohnerzahl Hebron (220.000) winzig kleine Enklave jüdischer Siedler hat das Leben der Palästinenser so beeinflusst, dass die Stadt rund um die Siedlungen einer Geisterstadt gleicht. Geschäfte mussten geschlossen werden und es gibt Strassen, die von den Palästinensern nicht betreten werden dürfen.

Wir werden immer wieder von Soldaten angehalten, müssen warten und bekommen am Ende sogar militärisches Geleit bestehend aus acht bewaffneten Soldaten, weil sich eine Gruppe jüdische Siedler lautstark über uns (also eher Breaking the Silence) beschwert. Wie aus dem Nichts tauchten plötzlich die Soldaten auf, bildeten eine Kette und separierten uns von ihnen. Wir unterhielten uns mit den Soldaten, sprachen über ihren Alltag, machten Selfies… unwirklich das alles.

Die Teilnehmer meines Reportage-Workshops bekamen die Aufgabe, eine Bildstrecke zur Pufferzone mit dem Titel „Hebron, die Geisterstadt“ zu machen. In maximal 20 Bildern sollten sie ihre Sicht der Dinge präsentieren und im Anschluss mit mir gemeinsam eine verständliche Dramaturgie des Storytelling erarbeiten. Wenn ich mir die Ergebnisse ansehe, bekomme ich Gänsehaut. Ich möchte hier gar nicht nur die beste Strecke zeigen oder diese öffentlich bewerten. Ich möchte Euch zeigen, was wir erlebt haben und deshalb folgen exemplarisch 4 komplette Strecken.Bitte nehmt euch Zeit.

Die erste Reportage ist von  Alea Horst:

 

Die nächste Strecke ist von Sabine Kneidinger

Und nun Frank Niedertubessing:

Und last but not least: Tobias Löhr:

und damit ich auch noch irgendwas zeige, hier ein paar „Behind the Scenes“ Aufnahmen von mir:

 

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7 Responses

  1. Pingback : Zehn Verweise › RAPPELSNUT

  2. Alexander Görisch

    Schön zu sehen wie unterschiedlich die Ansichten sind am gleichen Ort. Ich kauf mir jedes Jahr die Bücher „Fotos für die Pressefreiheit“. Viel unterschied ist da nicht mehr 🙂

    Sehr tolle Bilder!

  3. Ich war selbst noch nie dort und muss sagen, dass diese Fotos wirklich einen Eindruck davon geben, wie es sich dort „anfühlt“. Das können normalerweise nur wenige Bilder transportieren.
    Da sind diese blutjungen Männder, die in voller Montur ihr Leben mit Grenzsicherung vergeuden müssen.
    Da sind die Kinder, die inmitten einer Geisterstadt aufwachsen und denen man nur schwer erklären kann, wieso das so ist.
    Und diese Fotos lassen genau das an einen ran, was man sonst nur im Radio oder TV in einer 1-Min-Meldung als „Nahostkonflikt“ serviert bekommt.
    Danke für diese tollen Fotostrecken.