26
Mrz
2016
9

Wochenrückblick (6) – „By the Rivers of Babylon“

Abschied von Hanoi, wo ich eben noch die letzte PhoBo aß. Abschied von sechs Menschen, mit denen ich nun viel teile. Zurück nach CatBa, auf die Insel in der Halong Bay, die mir irgendwie ans Herz gewachsen ist.

Cut.

Mühsam kämpft sich das blaßgraue Taxi durch die nebligen Berge CatBa´s. Der gelbblinkende LED-Altar auf der vorderen Ablage dieses Gefährts, gespeist vom Zigaretten-Anzünder, kündet vom Glauben des Halters an das Gute. Der Taxifahrer möchte uns Wohltun und fingert zwischen hastig kopierten DVD´s, immerhin mit korrekt belabelter Oberseite, herum. Ja sein Taxi hat ein Entertainment Center (mit DVD-Video) und nun werden wir seinem aktiven Sammeln möglicher Karma-Punkte beiwohnen. „By the River of Babylon“ dröhnt es mit wahrscheinlich 90dB aus den überforderten Lautsprechern, während Bobby Farrell in Nahaufnahme im verstaubten Screen tanzt. Ich war mir nicht sicher, ob da wirklich „Bouni M“ auf der DVD stand und hatte Ähnliches vermutet. Nun wurde wahr, was ich befürchtete. Unser Video-Jockey indes verzog keine Miene. Ich sang verzweifelt mit. Laut. Um ihn zu bestätigen.

Cut.

Wir haben das Boot für uns ganz allein. Langsam schippern wir durch die Halong Bay und starren gerade aus. Der Kapitän ist schweigsam. Wir auch. Ich pfeife leise „By the River of Babylon“. Sehr zum Unmut meiner Mitreisenden.

Cut.

Ich sitze am Strand von PhuQuoc Island im Süden Vietnams. Paradiesisch schön. Dieser Strandabschnitt. Die Insel an sich indes, wird mit jedem Jahr mehr zum Steingewordenen Horror einer Riesenbaustelle mit Aussicht auf Ferienclubs. Die Idee des „sich Sammelns“ stand im Vordergrund, als ich diesen Reiseabschnitt buchte. Bevor ich die zweite Reise durch den Norden Vietnams antrete, will ich noch mal interessante Gedanken suchen. Ich lese Sibylle Bergs „Vielen Dank für das Leben“. Wiedermal. Und bleibe bei Sätzen wie diesen hängen: „Manchmal, wenn er, nur mit einer Vogelmaske bekleidet, zitternd vor dem Ankleidezimmerspiegel stand, für Sekunden klar, wusste er, dass er sich auf dem Weg in die Geisteskrankheit befand. Er konnte nicht mehr zwischen Gott und seinem Glied unterscheiden.“ Gleichermaßen ratlos, wie voller Bewunderung, über so viel Fantasie, pfeife ich „By the Rivers of Babylon“.

Es gibt Wochen, aus denen könnte man zwei machen.

Lieblinge der Woche:

Der WDR strahlte in dieser Woche die wirklich hinreißende Dokumentation „Heiraten? Ja! Aber warum?“ aus, bei der ich auch einen bescheidenen Part inne hatte. Den Streifen gibt es mittlerweile in der Mediathek zu sehen: http://www1.wdr.de/fernsehen/menschen-hautnah/sendungen/heiraten-ja-aber-warum-100.html

Francis Bernhard Harrison war vor kurzem auch in Vietnam und ich verfolge seine Reise in Bildern sehr gern!

Meine Playlist für PhuQuoc

Einige Bilder aus der letzten Woche ohne Anspruch auf Fotografie-Revolution:

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4 Responses

  1. Carsten

    Die Sendung des WDR ist herzerwärmend, ein Vergnügen zum schauen. Reinklicken lohnt sich!
    Auf Deinen Film, den Du nun dort drehst, bin ich schon gespannt.
    Dir weiter eine gute Zeit in Asien, lass es Dir gut gehen.

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