11
Jan
2017
4

Israel nach Tagen – irritierend normal

Man macht sich ja immer ein falsches Bild von Israel. Allein die Größe, die flächenmäßig gerade mal an Hessen reicht, sorgt bei dem in Unkenntnis Angereisten für Verwirrung. Jeder Zipfel hier ist in knapp drei Autostunden zu erreichen und ein Roadtrip das Wort nicht wert. Und doch ist das Land unglaublich abwechslungsreich und gerade deshalb so interessant. Der innere Konflikt ist nur ein Teil der Geschichte, ein anderer, dass man auf beiden Seiten immer sehr freundlich empfangen wird. Selbst wenn man in der Nacht irritiert an irgendeiner Strassensperre steht, an dem ein paar Soldaten mit geschulterten Maschinenpistolen ins Auto hinein grinsen, hat man kein Gefühl der Unsicherheit. Die Schilder an den Strassen „Danger Mines!“ und „Attention Firing Zone“ nimmst du irgendwann genauso hin wie „Attention Camels“ und auch, dass du beim Wandern plötzlich einen alten Schützengraben findest. 

Und so fahre ich in Richtung Golan Höhen, vorbei am See Genezareth, schramme die syrische Grenze, fahre an Jordanien in Richtung Süden zurück nach Jerusalem und gestatte mir am nächsten Tag einen Kurzbesuch in Bethlehem. Die Mauern und Wachtürme kenne ich so aus meiner Kindheit und werde das Gefühl nicht los, das Gewusel auf den Strassen in den palästinensischen Gebieten nimmt kaum noch Notiz davon. Aber so allgegenwärtig die Grenzen innerhalb des Landes sind, so irritierend und hoffnungsvoll ist mitunter das freundschaftlichen Aufeinandertreffen zwischen Juden und Palästinensern, das ich immer mal beobachte.

Wie schrieb ich bei meinem ersten Besuch: „Wenn du aus Israel irritierter zurück kommst, als du hingefahren bist, hast du verstanden was hier los ist.“

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2 Responses

  1. Carsten

    Da werden Erinnerungen wach. Schade, dass da jetzt eine Mauer steht. In den Köpfen ist sie schon länger vorhanden. Ich hoffe, ich komme dort mal wieder hin und kann meine damaligen Fotos noch einmal aus heutiger Sicht machen.

    Deine Bilder sind stark und spiegeln die Stimmung, meiner Meinung nach, recht gut wieder. Toll und gleichzeitig befällt mich eine tiefe Schwermut.

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