11
Nov
2017
6

Liebes Tagebuch

Schreiben ist mir von allen Kommunikationsformen die Liebste, kann man sich doch gut überlegen, was genau man als nächsten Gedanken ausscheidet, frei von jeder Handlungsbefugnis. Und wenn einem egal ist, was der Rest darüber denkt, schaltet man einfach die Kommentarfunktion aus oder veröffentlicht den Quatsch gar nicht erst. Herrlich.

Ich habe mich in der letzten Woche auf die schöne Insel Rügen verkrochen, um genau das zu tun. Also zu Schreiben. Eine Woche das Gesicht in den Wind halten, im stetigen Wechsel aus Holz hacken, Feuer machen, Kaffee kochen, zur Steilküste laufen, auf´s Meer starren, wieder zurück, Gedanken zu Papier bringen, danach ein Glas in der Hand betrachten. Und Essen aus Büchsen. In einer kleinen Hütte an der Steilküste, fußläufig zum Kap Arkona, mit knisterndem Kamin und einem kräftigen Wind der ums Haus fegt, mit einem gepflegten 15 Uhr Jazzgetränk, das mir die Portion Gleichmut dafür gab, doch etwas völlig anderes zu schreiben, als ich vorhatte. Nun denn, was raus muss, muss raus. Und so beerdigte ich bald schon die Idee, das Logbuch Vietnam II noch in diesem Jahr fertigzustellen. Hiernach die Idee, ein anderes Konzept zu verfolgen und all die nun zu Papier gebrachten Gedanken zu nutzen, um im Frühjahr ein Buch zu veröffentlichen, eines, dass den Fokus weniger auf die Fotografie lenkt, sie aber nicht ausschliesst. Ein Buch über die große Sehnsucht nach Zeiten, als alles irgendwie zum ersten Mal passierte und Tage, an denen im Steinbruch des Herzens geackert wurde. Beobachtungen aus der Ferne. Ich sehe die Buchhandlungen schon hektisch neue Regal-Sparten frei machen: Bebilderte Gefühlsduselei.

Wird gut glaube ich. Cheers!

Eine schöne Woche wünsche ich.

Euer Stilpirat

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13 Responses

  1. He, das alte Pegelhaus steht ja immer noch. War 2010 das letztemal am Kap und hab da unten auch fotografiert.
    Rügen hat schon was und ich bin gespannt auf das Buch.
    VG Jens

  2. Christoph Freiburger

    Dann wünsche ich dir noch viele Stunden ohne Verpflichtungen zum Schreiben und denken.
    Die Welt braucht dringender denn je, ein wenig „Bebilderte Gefühlsduselei“!

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