29
Feb
2012
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Grüße aus Delhi

 

„Du wirst Indien lieben oder hassen“ hat man mir gesagt und wenngleich ich nach 24h noch keine Entscheidung treffen mag, überwiegt doch die Faszination. Indien kämpft sich wacker vor, in meinem Herzen. Bisher überwiegen die positiven Eindrücke. Ich glaube, das Geheimnis liegt vor allem darin, sich ein eigenes Bild zu machen und sich nicht von anderen verrückt machen zu lassen. Fakt ist: über die „Probleme“ in Deutschland, würde der Inder – wenn er sich damit auseinandersetzen müsste – schallend lachen.

Da ich hier recht unvorbereitet ankam, nahm ich mir gestern einen Fahrer, der mit mir die „Delhi für Dumme“ -Tour machte. So bekam ich schonmal einen Eindruck und fand ein wenig Orientierung. Er konnte sehr gut englisch, verstanden habe ich ihn trotzdem nicht. Er war sehr lustig. Delhi ist laut, heiss und staubig. Niemand kann hier wirklich Auto fahren und doch fahren alle besser als bei uns. Man hupt sich einfach permanent zu und klärt die Situation. Mopeds, Autos, Laster Fahrräder, Rikschas, Kühe und Hunde teilen sich in einem Abstand von nur wenigen Zentimetern die Strasse, an deren Seiten nicht selten Leute in Decken gehüllt schlafen und Kinder betteln. Die (männlichen) Inder strullen und spucken wo sie gehen und stehen und zwar in jede verfügbare Ecke. Und so riecht es auch. Das scheint hier aber irgendwie niemanden zu stören. Überhaupt trifft sich im Inder eine eigentümliche Mischung aus Gleichmut und Starrköpfigkeit, hinter die ich noch nicht so richtig gestiegen bin. Irgendwie versucht dich hier als Europäer sowieso jeder hinter´s Ohr zu hauen. Hat man sich daran gewöhnt und ignoriert es, ist alles gut.

Als blonder Hans von der Waterkant werde ich hier von den meisten Leuten jedoch angegrinst. Gestern lief ich an einer Schulklasse vorbei und nachdem ich auf ein freundliches „Hello“ mit einem ebenso freundlichen „Hello“ antwortete, bildete sich eine Traube aus Schuluniformen um mich. Ich wurde viel angefasst und musste zahlreiche Fragen zu meiner Herkunft beantworten.

Gestern Abend traf ich mich mit Carmen und Ingo – dem sehr sympathischen Hochzeitsfotografen-Pärchen aus München. Sie nehmen mich ja am kommenden Wochenende mit auf eine Hochzeit, die sie dort fotografieren. Sie wohnen zufällig (!) 50 Meter weiter im nächsten Hotel und wir verbrachten einen herrlichen Abend über den Dächern Delhis und quatschten, bis mir nach 2 Tagen ohne Schlaf endgütig die Augen zufielen.

Ryan Brenizer hat mal in einem Interview gesagt: „As a wedding-photographer, you have to love the chaos.“ – er würde sich in Indien superwohl fühlen.

Hier meine Eindrücke der ersten beiden Tage:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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55 Responses

  1. Moin, Moin… ja, man liebt Indien oder hasst es…. schon alles sehr extrem. Ich produziere nun seit mehr als 6 Jahren „indisches Radio“ für DE/A/CH, und habe seitdem tägilch mit Indern zu tun. Deren für uns Widersprüchliches (ewiges Lächeln, immer „yes“ sagend (dabei mehr „no“ meinend), in der Tendenz schamlos korrupt, tolerant gleichermassen wie stur) werden wir Europäer/Deutsche wohl nie in die eine Schublade kriegen… „A real challenge“ 🙂 Tolle pics…. Gratulation. Das ist das echte Leben… Schau ich mal, ob vielleicht eins als „photo des monats“ dabei ist. Liebe Grüße aus HH/LJ

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  6. Deine Art zu schreiben gefällt mir sehr gut und das ist ein seltenes Kompliment, denn ich bin sehr picky. Auch die Art deine Geschichte aufzubauen, damit sie rund wird, kommt gut bei mir an. Eine Frage hätte ich da aber doch: WIe sieht Delhi von oben aus?

  7. Pingback : Lesezeichen 09-12

  8. Hi Steffen,

    ganz große Serie -- echt toll 🙂

    Mit welcher Kamera hast du fotografiert? Das sieht alles etwas anders aus wie sonst oder eher das Postprocessing…

    Ich habe zwar eine Vermutung, aber wollte einfach mal fragen 🙂

    LG
    Dominik

  9. Holger

    Hi, schönen Bildurlaub wüsnche ich Dir. Womit bist du denn dort unterwegs..was war in Deinem Koffer? Ach, und übrigens..danke für Dein Buch..habe es gelesen und danch hatte ich den seltsamen Drang, meine Ausrüstung komplett auszutauschen. Das war latent wahrscheinlich schon immer vorhanden..das buch, das übrigenes gut zu lesen ist, war dann der letzte Auslöser. Wenn nur dies Hochwasser und die Atomkatstrophe nicht gewesen wäre..es gibt ja quasi niergends Nikon Kramms.

  10. Michaela S.

    Was für Bilder -- großartig!!! In 2 Wochen bin ich auch in Indien- nach den Fotos komme ich so langsam in Stimmung! Ich denke schon seit gefühlten 2 Wochen nach, welche Objektive und Kamera ich mitnehme. Alles andere iss Wurscht!!! 🙂 Wünsche dir weiterhin tolle Eindrücke und eine gute Zeit!

  11. Steffen, wir freuen uns sehr zu sehen was du aus dem gemeinsamen photowalk gemacht hast. Super Bilder!! Spitze dass du hier bist, heute und morgen wird genial, wirst sehen 😉
    Cu in a bit
    Carmen and Ingo

  12. Sag mal Steffen, kannst Du Zaubern? Wie bekommst Du „so ganz nebenbei“ so geile Bilder hin? -- krass krass !

    Grüße
    (auch) Steffen

    ps: Und weiterhin schönen Urlaub! 🙂

  13. Alexander Laske

    Ich hab einige Monate in Delhi gewohnt und ich kann nur sagen, du wirst Indien nicht lieben oder hassen, sondern lieben UND hassen! 🙂

  14. Ein guter Urlaub lebt von den Kontrasten zum Alltag. Du hast dir da so ziemlich extrem was ausgesucht. Der hanseat an sich ist jedenfalls SEHR anders 😉

    Komm heil und gesund heim und genieße die Zeit
    cu
    Holger Reich, Der Wupperphotograph

  15. Markus

    Wow, sehr interessante Eindrücke einer mit Sicherheit unglaublich faszinierende Stadt…

    Bin verdammt gespannt auf die Hochzeit 🙂

  16. Ralf

    In meiner aktiven Semanns Zeit war ich öfters in Bombay. Was alle Bilder nicht vermitteln können ist dieser Geruch, den man nie wieder aus der Nase bekommt. Man kann Armut riechen…

  17. Steffen, ich kann deine ersten Eindrücke sehr gut nachvollziehen. Ich war vor wenigen Wochen beruflich ebenfalls dort und bin immer noch sehr fasziniert von Land und Leuten. Meine ersten Eindrücke habe ich hier beschrieben http://www.joelwagner.de/stosstange-an-stosstange-durch-delhi/
    Ich sehe, du warst auch im alten Teil Delhis. Die bunten Straßenszenen sind sehr beeindruckend. Du musst in jedem Fall noch in den Stadtteil Hazrat Nizam-ud-din Dargah. Dort gibt es nach verwinkelten Gassen eine Grab- und Gebetsstätte mit beeindruckender Ruhe trotz vieler Menschen. Meine Fotos findest du hier http://www.flickr.com/photos/joel_wagner/sets/72157628882039931/

    Gruß Joël

  18. Chapeau! Das sind echt super tolle Eindrücke aus Indien. Freue mich auch auf die Fotos der Hochzeit und die ganzen Farben die da zu sehen sein werden.

  19. auch wenn es eh jeder schreibt -- super tolle Bilder, weche du hier zeigst … muss auch sagen -- sie beinhalten eine andere Art der Fotografie von dir … ?!

    Danke für den Link zu Carmen und Ingo … interessante Leute die beiden.

    gr
    Roland

  20. Hey steffen ich wünsche dir eine super Zeit in Indien!
    PS: mal ne andere Frage: wieviele Menschen wollten schon mit dir ein Foto machen? (soll in Indien als weißer ja so bis zu 30 mal am Tag passieren) 😉

  21. Oliver Vibrans

    Ja, das sieht alles immer so romantisch mit dem Straßenverkehr aus. Dass man keinen Unfall sieht, heisst jedoch nicht, dass die Inder besser fahren oder weniger Unfälle haben.
    „Auch die Zahl der Verkehrstoten wächst, dieses Jahr erreichte Indien einen traurigen Weltrekord: Zehn Prozent der weltweit 1,2 Millionen Toten im Straßenverkehr waren Inder, wie der Internationale Straßenverband in Genf errechnet hat. Nach Angaben der Weltbank gibt es in Indien 14 Verkehrstote je 10.000 Autos, siebenmal so viele wie in den Industrieländern.“

    Quelle: http://nachrichten.t-online.de/indien-in-keinem-anderen-land-ist-autofahren-so-gefaehrlich/id_16701190/index

  22. Andrea

    Ohhhh, ich freue mich auf die Fotos von der Hochzeit und noch mehr Fotos von Deinen Eindrücken. Sehr inspirierend, nah und nahe gehend. LG A.

  23. DocMaowi

    Hello Steffen, egal ob du persönlich es lieben oder hassen wirst ich finde es tut dir jetzt schon gut….denn deine arbeiten so so ganz anders und total … Wie Sage ich es….offen und nah ….neeee herzlich ….ja herzlich ..so kommen sie an bei mir und stimmen mich total nachdenklich…..ich wünsche dir noch ganz viel tolle und aufregende Momente in Indien …

  24. war selber erst vor kurzem in Indien (Mumbai) da ich allerdings beruflich dort war, hatte ich nur wenig Zeit zu fotografieren. Kann Steffen’s Eindrücke nur bestätigen, auch der Verkehr und das „Strullern“ usw. um einen Eindruck vom Verkehr und dem alltäglichem auf der Strasse zu vermitteln hab ich ein kurzes Video bei youtube eingestellt.

  25. Wow, tolle Bilder. Und ein super Text. Nachdem ich selbst 1 1/2 Jahre im Chaos Mumbais gelebt habe, lese ich jedesmal wieder gerne die Erfahrungsberichte neuer Indienreisender 🙂

  26. Rigo

    Wow,was für starke Bilder.Beim betrachten kann man die Hektik,den Lärm,den Staub und die Leute förmlich spüren.Man bekommt einen sehr guten Eindruck vom wahren Indien,abseits der Touristengebiete und der üblichen Sehenswürdigkeiten.
    Ich beneide dich um deine Erlebnisse und Erfahrungen die du bei deinem Spontantrip in Indien machen wirst.Wünsche dir noch viel Spaß und eine gesunde Heimkehr.

    P.S. Bild 8 is ja Klasse,in Indien fährt man „Eicher“.

  27. Stefan Wernz

    Schönes Abenteuer genieße die Zeit, manchmal wird man durch Menschen geerdet die nichts haben und doch viel mehr als wir 😉

  28. Woah, Gänsehaut! Ich finde es ja bewundernd, wenn Menschen einfach mal so in ein so „chaotisches“ Land reisen.

    Ich finde es absolut faszinierend darüber zu lesen, Filme zu gucken und Bilder zu sehen, aber ich weiß nicht, ob ich da nicht bekloppt werden würde.

    Menschen, Krach, Tiere, Verkehr, alles auf einmal. AAAAAH!

    Wie hält man das aus? Blendest du das aus?

  29. anne

    ach quatsch, das doch geflunkert ; ) bild 10 sieht nicht danach aus…
    wenn „abenteuer fotografie -- indien oder welt“ rauskommt, bitte bescheid sagen, dann möchte ich das ordern (sollte ich bis dahin nicht selbst indien mit eigenen füßen betreten haben).

  30. Echt sehr interessante Fotos, ich mag mehr sehen. Ich glaube nicht das ich so leicht nach Indien komme, somit freue ich mich umso mehr, Fotos vom Leben zu sehen. Ich würde sagen das fällt mal alles unter „Street“ 🙂

    Danke fürs zeigen!

  31. anne

    danke für die einblicke -- fühlte mich für 180 sekunden im urlaub.
    frage: fotografierst du vieles „aus der hüfte“? sodass die inder das nicht „mitbekommen“.
    weiterhin gute reise : )

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