23
Dez
2013
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Neu an Board: Zeiss Apo Sonnar T* 135/2 ZF2

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Oh, ja ich weis: ich wollte hier eigentlich nie wieder irgendwelches Equipment huldigen – der Fotograf macht ja schliesslich das Bild. Doch  erlaubt mir diesmal eine kleine Ausnahme. Es trug sich zu, dass ein Teilnehmer der Masterclass schweigend ein 135er Zeiss auf den Tisch stellte und mir in die Augen sah. Seine Mundwinkel wussten, dass mein Nasenrücken zu zucken beginnen würden, wenn ich das Glas auf den Body meiner D800 schrauben und das erste mal durch den Sucher blicken würde und deshalb taten seine Mundwinkel das, was 135er-Zeiss-Besitzer tun, wenn sie das Glas in andere Hände geben – sie bewegten sich nach oben. Ich bin der letzte, der sich bei frischem Glas in die Hosen macht – soweit glaubt mir diese Geschichte – doch etwas Pipi in den Augen sei mir erlaubt. Was macht dieses Objektiv so spannend? Fangen wir mal an:

Verarbeitung/Haptik
Ganz großes Tennis. Ok, für das Geld erwarte ich nichts anderes, doch zwischen der Verarbeitung meiner ebenso teuren Nikkore und dem Zeiss liegen noch mal ein riesengroßes „Dazwischen“. Das Zeiss kommt mit einem Ganzmetalltubus, der das Objektiv jetzt nicht wirklich leichter macht, seinem Besitzer dafür aber für seine auf den Tisch gelegten 1.900,-€ ein Anfassgefühl gibt, dass sich gewaschen hat. Am Ende wiegt das Zeiss aber auch nur 100g mehr als sein Nikon Pedant, dafür streichelt es sich besser!

Fokusgeschwindigkeit
Pfff! Manueller Fokus Baby!! Ja – die Crux! Aber ganz ehrlich?? Ich entdecke bei mir, dass ich es geniesse, manuell zu fotografieren. Ich fotografiere dadurch wirklich konzentrierter – fokussierter. Der Fokusweg des Zeiss ist lang – sehr lang, so dass man den Schärfepunkt ganz diffizil einzustellen vermag. Ich war kurzzeitig sogar drauf und dran – meinen Objektivpark komplett umzustellen, weil ich zunehmend geniesse, manuell zu fokussieren. Bei meinen Nikkoren klappt das nicht halb so gut, weil der Fokusweg der schmalen gummierten Ringe im Vergleich zum Zeiss geradezu grobschlächtig sind. Meine „Schärfe-auf-den-Punkt-Trefferquote“ mit dem Zeiss liegt (mit etwas Übung) bei sagenhaften 90 Prozent und übertrifft damit meine bisherige Trefferquote mit Autofokus. Ich habe die Überlegung des kompletten Umstiegs hin zum manuellen Fokussierens noch nicht ganz abgeschlossen – aber vieles zieht mich auf die „andere“ Seite.

Bildqualität
Mit jedem Schritt meiner fotografischen Entwicklung, musste ich mir eingestehen, dass ich meine fotografischen Unzulänglichkeiten schnell mit neuem Equipment aufzufangen versuchte. Mittlerweile weiss ich: Ich kann mit dem iPhone geile Bilder machen, wenn ich will. Doch bemerkte ich auch schnell, dass  zwischen meinen ersten Second Hand Objektiven und den teuren“G-Nikkoren“ abbildungstechnisch viel Luft ist. Für mich waren meine „Goldringe“ in meinem Koffer bisher das Non-plus-Ultra. Bis – ja – bis ich das Zeiss auf dem Bajonett kleben hatte. Hier findet sich in Sachen Schärfe, Mikrokontrasten, Farben, Bokeh und nicht vorhandenen Farbsäumen noch mal ein deutlicher Sprung nach oben. Deutlich merkte ich das in den Abendstunden. Als der Tag sich dem Ende neigte das Licht draussen so langsam verschwand, muss die ISO-Power meiner Kamera auffangen, was an Licht fehlt. Die Folge: Mit jedem ISO Schritt nach oben, verliert das Bild an Schärfe. Was ich dann aber mit dem Zeiss auch bei hohen ISO Zahlen und Offenblende (f2) noch an Schärfe abbilde, lies meine Unterlippe in gleichem Maße nach vorn wachsen. Auch wilde Gegenlicht-Situationen meistert das Zeiss ohne chromatische Aberrationen. Dssss. 

Fazit
Scheisse! Ich Blut geleckt! Ich hätte nie gedacht, dass es mich noch mal „erwischt“. Es macht unglaublich Spaß mit dem 135er Zeiss zu fotografieren. Die Haptik, die Farben, der Kontrast und das Bokeh sind für mich wohl hauptausschlaggebend für das Verlangen, mir das Zeiss 135/2 nach dem ersten Test zu kaufen. Und nach einem kompletten Tag Fotografiererei mit dem Ding auf einer Hochzeit ist der manuelle Fokus für mich eher eine Bereicherung als eine Crux. Mir sind die technischen Werte meines Equipments eigentlich immer nicht wirklich wichtig – Dxo schreibt sogar auf seiner Seite, dass die optische Performance des Zeiss 135/2  dicht am neuen Otus 55/1.4 liegt, welches laut Zeiss das kompromissloseste Objektiv der Welt ist und für das Zeiss sportliche 3.500,-€ aufruft. 🙂 Nein – viel wichtiger ist, wie es sich in der Praxis schlägt. Und da konnte mich das Zeiss Apo Sonnar T* 135/2 ZF2 restlos überzeugen.

Herstellerlink: http://lenses.zeiss.com/camera-lenses/de_de/fotografieren/slr-lenses/aposonnart2135.html
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