22. März 2012

mein Interview mit Vernon Trent

Ihr erinnert Euch? Anfang der Woche, berichtete ich Euch, über meine Tage bei Vernon. Und ich möchte da anschliessen, wo ich das letzte mal aufgehört habe…

…Am Ende des ersten Tages standen wir auf der Rückfahrt vom Studio im Stau und unterhielten uns über seine Arbeit, seine Herangehensweisen und warum die analoge Fotografie eine solche Renaissance erlebt. Wir quatschten und quatschten und ich nutzte wohlweislich die Record-Funktion meines iPhones. Entstanden ist ein sehr schönes Interview…

Scheisse, Stau! Macht nix. Hast doch nichts mehr vor heute, oder?

Nein, ich verschenke nur so ungern Zeit… aber weil wir hier gerade so schön zusammen sitzen… Was glaubst Du eigentlich, warum die analoge Fotografie plötzlich so abgeht? In meiner Timeline sehe ich immer mehr glückliche Posts, alter Kameras mit mehr oder minder geglückten Versuchen, diese zum Leben zu erwecken… Ich glaube, die Leute sind einfach langsam müde, ständig die neueste, schnellste und “megapixelste” Kamera zu haben. Kaum ist eine Kamera abbezahlt, kommen zwei neue Modelle mit immer neuen Funktionen, die eigentlich kein Mensch braucht. Ich glaub, die Leute haben wieder mehr Lust darauf, selbst was zu machen und Teil des Prozesses zu sein. So, dass sie hinter her sagen können: “Schau, das hab ICH gemacht und nicht meine Kamera.”

Bist Du eigentlich irgendwann mal in die digitale Welt abgetaucht oder bist du wirklich immer “analog” geblieben? Ja, ja, ich hab das schon mal probiert. Damals 2005/ 2006 hab ich beschlossen all das zu machen, was ich auch in der analogen Welt vorher gemacht habe. Ich hab versucht den analogen Bildausdruck in Photoshop irgendwie zu imitieren, was mir durchaus gelungen ist. Ich hab teilweise meine analogen Ausdrucke eingescannt und die Farbwerte ausgemessen und aufgeschrieben und entsprechende Gradationskurven gebastelt.

Und warst du zufrieden damit? Ja, das war schon in Ordnung. Auf dem richtigem Papier und dem richtigen Drucker war die Illusion des Analogen fast perfekt und es war durchaus schwierig, ein digitales Bild von einem analogen zu unterscheiden.

Ich bilde mir ja immer ein, dass ich den Unterschied am Ende doch sehe… Oh ha… da gibt es einige sehr gute Analog-Fotografen, die auf diese Illusion hereingefallen sind. Am Ende geht es mir ja eigentlich vielmehr um den Prozess dahinter… Es gibt immer was zu lernen. und immer was Neues auszuprobieren… neue Techniken, neue Edeldruckverfahren… allein die sich ergebenden Kombinationen aus allem, die zur Verfügung stehenden Techniken sind schier unendlich.

Nun machst du ja in der Hauptsache s/w Bilder. Hat das einen bestimmten Grund? Magst du s/w, weil es einfach zu handeln ist oder steckt da mehr dahinter? Das hört sich jetzt vielleicht bescheuert an, aber wenn ich mir ein Motiv anschaue, dann ist das in meinem Kopf schon schwarz/weiss. Nöö, bescheuert ist das nicht, das geht mir manchmal auch so… Klar, der Prozess spielt dabei auch eine Rolle. Das ist das, was ich gut kann, was mir liegt, wo ich Spaß habe… Farbe mach ich auch – keine Frage… aber sehr viel seltener. Am Ende ist es doch immer so: Wenn ein Bild gut ist, dann spielt es keine Rolle, ob es in s/w oder Farbe dargestellt wird.

Ja, Klar. Du hast ja heute auch Digital-Fotos geschossen und die wandelst du ja im Rechner auch in schwarz/weiss um. Was nutzt Du da am Liebsten? Ich hab eigene Scripte, die ich nutze, arbeite aber auch gern mit den NIK Silver EFX. Manchmal entsättige ich aber auch einfach und schraub an den Gradationskurven rum, um den mittleren Kontrasten mehr “bums” zu geben.

Denkst du eigentlich schon beim fotografieren daran, wie du das Bild später weiterverarbeiten willst? Manchmal ist es für Vandykes beispielsweise ja schon wichtig, etwas kontrastreicher zu fotografieren. Ja, das weiss ich eigentlich schon vorher. Es hängt ja auch immer davon ab, wie groß das Bild am Ende ausbelichtet gezeigt werden soll. Im Moment sammle ich Material für meine nächste Ausstellung in Spanien und ich weiss jetzt ja schon, welches Konzept ich dort habe und was ich zeigen will. Heute waren wenigstens 4 Aufnahmen dabei, die ich dort auf jeden Fall zeigen werde. Ich fotografiere möglichst immer so, dass ich hinterher nicht allzuviel an den Reglern drehen oder abwedeln muss.

Wie lange brauchst Du eigentlich, um alle Ergebnisse eines Shootings zu entwickeln und auszuarbeiten? Ich brauche eigentlich immer einen gewissen Abstand zwischen dem Shooting und dem Entwickeln. Da kann es durchaus 6 Monate dauern, bis ich mich an die Ergebnisse setze. Ich kann die Ergebnisse dann objektiver einschätzen und bin wesentlich kritischer. Manchmal hab ich aber auch das Gefühl: “Ich bin noch nicht soweit, mich damit auseinander zu setzen. Ich brauch noch Zeit…”

Und wie restriktiv gehst du denn dann mit der Auswahl um? Achtest du auf Verkaufbarkeit oder lässt du auch mal Ergebnisse “durch”, die eigentlich untypisch für dich sind? Ach manchmal, gibt es durchaus Bilder, die mir total gefallen, aber woanders gar nicht ankommen. Aber am Ende ist es meine Arbeit zu der ich stehe, was nicht heisst, dass ich keine Kritik an mich mich heran lasse. Manchmal lernt man dadurch auch mal andere Sichtweisen kennen, die einem vorher wirklich nicht in den Kopf gekommen sind. Trotzdem steht meine Meinung zu jedem Bild… ich bin mir da nicht unsicher…

Lass uns mal über “Model-Psychologie” reden. Ich hab heute morgen gesehen, dass du nicht viel Zeit brauchtest, um Zugang zum Model zu finden. Akt ist ja immer noch was anderes als reine Porträt-Arbeit. Gelingt Dir das immer gleich gut? Oder gibt es auch manchmal Fälle, wo du 2 Stunden fotografierst und du keinen “Zugang” findest? Ach eigentlich merkt man das sofort, ob das klappt oder nicht. Spätestens nach 10 Minuten sollte das klar sein. Wenn ich das Gefühl habe, dass das nix wird, pack ich zusammen und gehe lieber was mit dem Modell essen, als das ich teueres Material verballern. 3 Stunden Quälerei bringt keinem was und am Ende sieht man das auch den Bildern an. In der Regel merken das aber auch beide – sowohl der Fotograf, als auch das Modell. Ich sag ja schon deutlich wo es lang geht und es ist auch immer eine Vertrauenssache des Modells, sich darauf einzulassen. Und wenn es läuft, weiss ein gutes Model auch recht schnell wie es weitergeht und bietet mir eigene Ideen an. Dann hat man es als Fotograf eigentlich geschafft und der “flow” stimmt.

Wie startest du deine Shootings? Ist es jedes mal ähnlich, oder schaust du erst mal was das Model anbietet? Naja, ich hab da schon ein Konzept. Zunächst bitte ich um bestimmte Posen, die nicht immer einfach sind und bitte das Modell, diese zu halten (Anm.: In der Großformatfotografie braucht man vom Fokussieren bis zum Auslösen doch ein paar Sekunden länger). Wenn das Model die Posen lange halten kann und auch so umsetzt, wie ich sie brauche und nicht gleich müde wird, weiss ich, dass das ein gutes Shooting werden kann.

Mir ist heute aufgefallen, dass du das Model recht selten “lobst” oder in die Freude über ein gelungenes Foto einbindest. Ist das Absicht? Naja, kurze Botschaften geb ich schon: “good, perfect, beautiful…” aber ich halte mich mit überschwänglichen Anfeuerungen etwas zurück, weil das nach 3 Stunden auch echt ermüdend sein kann, sowohl für mich aber auch für das Modell.

Wenn ich Dich jemanden beschreiben müsste, der Dich nicht kennt, würde ich Dich als “Analog-schwarz/weiss Fotografen” bezeichnen, dessen Schwerpunkt im skulpturellem Akt und Stilleben liegt. Was mich vor allem dabei interessiert: Wie sehr muss man in seiner eigenen Karriere auf der eigenen Bildsprache beharren um auch wirklich als Fotograf mit einer bestimmten Bildsprache wahrgenommen zu werden? Oder anders gefragt: Würdest du ein Jahr lang Farbbilder veröffentlichen, litt doch dein Gesamtlook oder? Naja, sieh es mal so: Es könnte ja auch als Dialekt deiner Bildsprache verstanden werden. Ich zerbreche mir da gar nicht so den Kopf oder sehe das so verbissen. Seinen eigenen Stil, sollte man in gewisser Weise aber schon durchziehen, daran wird man halt erkannt. Aber man sollte hin und wieder auch immer mal den Mut aufbringen, was anderes auszuprobieren. Jeden Tag Spagetti essen, ist auch langweilig…

Du kannst so einfach daher reden… dich erkennt man… als junger Fotograf schaut man schon oft neidisch nach links und rechts und würde sich gern mal woanders ausprobieren, lässt es aber dann, weil es nicht ins Portfolio passt. Nein, Nein! Es ist schon sehr wichtig, sich immer wieder aus zu probieren und herumzuexperimentieren. Nur so findet man heraus, was einem wirklich liegt und woran man Spaß hat.

Du scheinst fotografisch angekommen, trotzdem wirst du natürlich Ziele haben. Wie geht’s bei dir in diesem Jahr weiter? Es gibt ab Mai ein neues “zuHause” für meine Arbeit. Ich hab sehr schöne große Räume angemietet, die Platz für eine Galerie bieten, wo ich aber auch eine Dunkelkammer habe, in der ich genug Platz für Großformat-Vergrößerungen bis 5×7 habe. Dort will ich auch die ganze Palette an Edeldrucken umsetzen… alles was es momentan gibt… Platz genug für Workshops gibt es auch. Die Workshops werden dann aber nicht größer als 2-3 Leute – also eher “Einzelcoachings” wenn man so will. Ich will mich auch wirklich intensiv um jeden kümmern… Das beste ist dass ich dabei von Ilona (Anm.: seine Partnerin) unterstützt werde, so macht das doppelt soviel Spass.

Spätestens dann werden wir uns wieder sehen…

 

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