14
Jul
2009
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Digitale Fotografie “Revolution und Untergang”

digitalefotografieKaum ein durchschnittlich veranlagter Verbraucher fotografiert heute noch analog. Die kleinen digitalen Knipsen haben den wohlgeformten 2 Kilo Spiegelreflex-Apparaten den Laufpass gegeben und revolutionieren Bildästhetik und Motivwahl. Nur einige Wenige bringen noch ihre kleinen digitalen Schätzchen anschliessend zum „Belichten“ und lassen „richtige“ Abzüge erstellen. Der Großteil der Fotografien landet auf CD´s und Festplatten, wo sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nie wieder jemand hervorholen wird.

Auch wenn meine Überschrift ein wenig provokant klingt: niemand kann wirklich sagen, welche Haltbarkeitsdauer digitale Fotos haben.
Auf der Suche nach digitalen Schätzen meiner Fotokiste, entstaube ich momentan über 10 Jahre alte CD´s und denke auch hier an die Haltbarkeit dieses Datenträgers. Es wird Zeit, daß ich all meine Schätzchen fein auf neue Datenträger kopiere, denn CD´s sind mit einer Haltbarkeitsdauer von ca. 10 Jahren angegeben. Ob das die Bilder rettet sei bezweifelt, denn in den vergangenen 20 Jahren hat sich die Peripherie rund um die digitale Fotografie drei mal selbst „revolutioniert“. Kein Mensch kann sagen, ob ich in 10 Jahren noch eine Software finde, die mir meine RAW-Dateien öffnet.

Waren vor 20 Jahren durchaus noch 5 1/2 Zoll Disketten der Weisheit letzter Schluß, wird sich heute kaum noch ein funktionierendes Laufwerk oder eine Software finden die diese Ungetüme lesen kann  (wobei ich auch hier schon eines Besseren belehrt wurde). Hingegen kann man sich in der analogen Fotografie zurücklegen: „ein Negativ bleibt ein Negativ“ – selbst der dümmste Außerirdische wird dieses Medium verstehen und fähig sein hieraus Abzüge zu erstellen. Für den digitalen Pedant fehlt so etwas wie der Rosetta Stone (ein viele Jahrhunderte geltender „Übersetzer“) der klar regelt wo es lang geht… Doch selbst bei der Entwicklung eines „digitalen“ Rosetta Stones stehen wir vor dem gleichen Dilemma: Worauf und wie speichern, damit er auch in Generationen noch lesbar ist? Apple, PC oder Linux? 😉

Ich habe meine Bedenken, ob die digitale Fotografie die Revolution ist für die sie gehalten wird oder ob sie sich nicht selbst ruiniert. Zu viele Bilder werden bedenkenlos geknipst und gammeln auf Festplatten vor sich hin die in 20 Jahren keiner mehr öffnen kann. Wahrscheinlich sind USB, Firewire und Co bis dahin längst Uralt-Schnittstellen für die jeder Support eingestellt wurde (wie viele andere vor ihnen). Eine ganze Generation von Bildern vernichtet sich damit selbst und unsere Enkel werden nie erfahren wie wie der Opa mal aussah.

Ich lasse mich gern belächeln, wenn ich mal wieder meinen Belichtungsmesser raushole (der fast größer ist als eine dieser digitalen Knipsen) um mit einer 50 Jahre alten Kamera eine Fotografie vorzubereiten, die wahrscheinlich alle Digital-Bilder der letzten 20 Jahre überlebt. Meine sehenswertesten Digital-Fotografien lasse ich seit einigen Jahren schön als Fotobuch drucken. Haltbarkeit: unbegrenzt

Ausführlicher Artikel über die Haltbarkeit digitaler Fotografien bei Spiegel Online

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