23
Feb
2011
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Die Sache

Ich krieg gerne Besuch. Am Liebsten von Leuten, mit denen ich über Fotografie quatschen kann. Warum weiss ich auch nicht. Vielleicht weil meine Frau so gar keine Lust hat, sich mein Geschwafel anzuhören und alles irgendwann raus muss…  Gestern bekam ich Besuch von Christian. Ich hatte ihn vor einer ganzen Weile bei einer Vernissage kennen gelernt und er outete sich damals gleich als einer meiner Leser. Die Chemie stimmte und so  hatten dann immer mal losen Social-Media-Kontakt und verabredeten uns gestern zu einem kleinen gemütlichen Spaziergang durch die Heide. Mit einer Polaroid bewaffnet stand er dann strahlend vor meiner Tür und wir machten uns auf den Weg.

Zwei Leute, die nichts anderes wollen, als laufen, quatschen und fotografieren. Das Leben kann manchmal so einfach sein. Es war faszinierend zu sehen, welche Bedeutung das Festhalten eines Moments auf einem Foto für jeden von uns hat. Ausgleich, Mediation, Broterwerb,  Hobby… unsere Gedanken kreisen permanent um das eine Thema. Und dabei  ist Fotografie eigentlich total belanglos. Im Grunde würde die Menschheit wahrscheinlich auch ohne Fotos klar kommen (schöner würde sie aber auch nicht werden).

Und wenn nach 2 Stunden Fussmarsch durch Eiseskälte kein einziges Foto herauskommt, was irgendwie von Belang ist und man trotzdem das Gefühl hatte, der Nachmittag hat einem was gegeben, dann ist auch das „Fotografie“… Wahrscheinlich kann ich deshalb mit Sätzen wie „Fotografie ist Handwerk“ nichts anfangen. Es reduziert die Sache auf ein kleines, nebensächliches Bruchstück.

Ich krieg gerne Besuch. Am Liebsten von Leuten, mit denen ich über Fotografie quatschen kann und im Grunde weiss ich auch warum.

18 Responses

  1. „…nach 2 Stunden Fussmarsch durch Eiseskälte kein einziges Foto herauskommt, was irgendwie von Belang ist und man trotzdem das Gefühl hatte, der Nachmittag hat einem was gegeben, dann ist auch das “Fotografie”… “

    Typischer Arsch/Eimer Faust/auge-Satz 😉

    Gerade die Landschaftsfotografie ist für mich weit mehr als nur stupide durch die Gegend latschen und Bäumchen knippsen.

    Es ist auch viel meditatives, entspannendes dabei (und wenn davon das ein oder andere Kilo wegschmilzt bin ich auch nicht traurig)

    Fotos sind da meist nur ein nettes Mitbringsel und solange man davon nicht seine Miete bezalhen muss ist es auch völlig ok so :)

  2. Hey, mir geht es ähnlich… habe irgendwie niemanden mit dem ich darüber reden kann nur einen freund… und den treffe ich irgendwie nur um den nächsten gemeinsamen Trip zu planen, danach ist wieder funkstille… Letztes mal war es marokko.. jedoch zu fünft.. und drei davon war die fotografie mehr oder weniger egal… nach einer woche standen wir dann nachts aufeinmal auf einem hügel… zu zweit und schossen ein nachtpanorama und fingen an über die fotografie zu quatschen… und zu quatschen… man hab ich mich aufeinmal gut gefühlt.. daran musste ich mich gerade erinnern.. danke

  3. Toll, wenn man jemanden hat, mit dem man so voller Elan über sein Hobby quatschen kann. Ich bin auch immer auf der Suche nach so jemandem, bisher leider erfolglos. Entweder waren die Leute bisher alle so technikfixiert (höher, schneller, weiter…) und ließen die Leidenschaft zur Fotografie ein wenig missen oder sie waren so verschlossen, dass man ihnen ein Gespräch quasi aus der Nase ziehen musste…

  4. Fotografie ist auch Handwerk, aber gerade bei solchen “ Leerläufen“ kann man seinen Kopfspeicher wieder auf Reset setzen und neue Ideen aufsaugen ….. sich vom Gesprächspartner “ impfen“ lassen. 😉

  5. Die Dinge können wirklich manchmal so einfach sein, um einfach glücklich zu sein. Ich genieße es auch immer wieder wenn ich mit ein oder zwei Kumpels losziehen kann, die nur Fotografie im Kopp haben. Da sind die Tage meistens zu kurz. Bisschen Schnacken, Fotografieren und ein oder zwei Schoppen trinken….herrlich.

    Meine Frau kann das auch nicht verstehen. Warum nur? 😉

    Micha

  6. „Und wenn nach 2 Stunden Fussmarsch durch Eiseskälte kein einziges Foto herauskommt, was irgendwie von Belang ist und man trotzdem das Gefühl hatte, der Nachmittag hat einem was gegeben, dann ist auch das “Fotografie”…“

    Genau… so… ist… es! Schöner Bericht.

  7. Das verstehe ich. Das geht mir bei sogenannten Fotowalks mit Fremden Leute auch immer so. Ich schieße dabei weder viele, noch gute Fotos, weil ich die Leute vollquatsche, wenn sie mir sympathisch sind, ich mehr erfahren will und mich andere Sichtweisen auf die Dinge, die mich interessieren, sehr interessiert..
    Aber irgendwie bin ich dabei aber meist der einzige.. Die meisten sind irgendwie leicht verklemmt mit teurem Equipment und einer gewissen Portion Soziopathie.. (Mir fällt dabei gleich so viel ein, dass ich einen eigenen Bericht über Fotowalks mit Flickrleuten schreiben sollte.. :) ).

    Find ick jut!

    M.

  8. Hallo, jaja ich kann ziemlich gut nachvollziehen wovon du da schreibst. Für mich total unverständlich wenn ich über tolle Fotos und Techniken spreche und diese aber nicht daran interessiert sind! 😉 Da sind „Artgenossen“ eine Genugtuung und solch ein nachmittag durchaus produktiv! Danke für die kleine Ermunterung!

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