16
Mrz
2011
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Analogwoche (2) Hafencity im Grossformat auf Ortho25

Nachdem ich meine Graflex nun bereits einige Zeit habe und sogar schon einen Workshop zum Thema Grossformat besucht hatte, war es nun an der Zeit, endlich mal „auf eigenen Füssen“ zus stehen und mit dem Ungetüm loszuziehen. Da ich bei der Erstausstattung an Material bei meinem Dealer ein Päckchen Ortho25 erwarb, sollte dieser rot-unempfindliche Film, als erstes in die Planfilmkassetten. Und immerhin: Von 3 Fotos sind 2 was geworden – hat man ja auch nicht immer 😉

Grossformat ist ein völlig anderes Fotografieren, es hat mit „spontan“ nichts zu tun und ich zwinge mich damit konzeptioneller an meine Fotos heranzutreten. Bis auf einige Testfotos einer Sonnenblume in meinem Büro und 2 Porträts auf dem Grossformat-Workshop in Braunschweig, hatte ich noch keine weiteren Bilder im Grossformat gemacht. Das sollte sich am vergangenen Samstag ändern. Ich hatte mir mal wieder die Architektur der Hafencity in Hamburg als lohnendes Motiv überlegt und baute meinen Kram auf. Das Schöne am Grossformat ist: Es bleiben permanent Leute stehen, glotzen Dir auf´s Maurer-Dekolltee und sagen: „Schöne alte Kamera„. Ich weiss immer nicht so recht was ich darauf antworten soll, also nicke ich freundlich und denke mir meinen Teil…

Nunja, Es sollten eigentlich nur weitere „Testaufnahmen“ werden, um das Material und die Kamera einschätzen zu lernen. Außerdem wollte ich mich in der richtigen Belichtung – die im Grossformat eine Wissenschaft für sich ist – versuchen. Als ich das Material dann am Samstag Abend gleich in die Entwicklerdose steckte und im HCD mit Tilla´s spontan getweetetem Rezept badete, war ich gespannt, was mich erwartete. Im Grossoformat hast Du eigentlich eine Menge Chancen, den Film zu versauen. Sowohl beim Einlegen (im heimischen Gästeklo) als auch beim Rausholen (in einer schattigen aber nach Urin riechenden Ecke, knieend wie ein Nieswurtz vor dem Wechselsack) steht die Chance, irgendwas falsch zu machen und das in einem nicht kongruentem Verhältnis zum Kleinbildfilm. Naja – ich habs so gewollt.

Als ich die Entwicklerdose dann aber öffnete und die erste Negativbeurteilung vollzog, gebe ich zu, daß meine Augen ein klein wenig feucht wurden (klick macht groß).

Der Detailreichtum ist der absolute Oberhammer. So richtig klar wird das, wenn man mal ein wenig heranzoomt:

Ich stehe total auf diese Bildästhetik und so war ich gespannt auf das zweite Bild:

Hier hab ich offenbar irgendwie verpasst, richtig zu fokussieren, deshalb liegt das „Ende des Bildes“ irgendwo außerhalb des Fokus, trotzdem mag ich die Power!

Ich bin dann noch weiter gezogen und hab einige Bilder von der Elbphilharmonie gemacht – auf nem Spuersinn G50. Ich freu mich jetzt schon wie ein Kind, sie morgen zu zeigen 😉

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18 Responses

  1. Pingback : Was war, was wird… | Der Stilpirat

  2. Mett

    Adams hat doch extra fürs Großformat sein Zonensystem entwickelt. Ich empfehle die Lektüre des Klassikers „Das Negativ“.

  3. Der Nieswurz vor dem Wechselsack ist der Klopfer !!! 😀
    Die Fotos erinnern mich stark an die ersten Pressfotos kurz nach der Bombardierung Hamburgs …. also im positiven Sinne ….. sie zeigen die nackte Wahrheit, mit all den Flüschen und Schlieren in den Schattenstellen der Fotos.
    Meine Augen empfinden das heute als positive Unruhe, früher hätten mich die ganzen kleinen Fehler gefuchst und ich hätte sofort gecheckt ob ich eventuell den Film zu wenig bewegt habe während der Entwicklung.
    Lange Rede kurzer Sinn die Fotos tun gut neben all dem „geleckten“ und fehlerfreien Bildmaterial der heutigen Zeit. 😉

  4. marc.

    Lieber Steffen,
    ich bezog das weniger auf Deine Fotoqualitäten, als auf mein kurzes „Wow“ zu Vernons ebenfalls knappen „Hach“. 😉
    Alles Andere würde ich gar nicht wagen zu sagen. Wenn Vernon im Mittelsturm in der Championsleague spielt, darf ich höchstens den Bus parken …

  5. Marc

    selten war die Chance so gross, mit Vernon auf einer Höhe zu spielen. 😉
    Ich sage „Wow“, ich warte beim Bild der Speicherstadt eigentlich nur noch auf Helmut Schmidt, der als Bürgermeister der Stadt ins Bild winkt …
    Toll getroffen.

    1. Lieber Marc, wie kannst Du es wagen mich überhaupt mit Vernon in einem Satz zu nennen!! Der Mann fotografiert in einer eigens für ihn eingerichteten Liga!
      @Teatiime: Lies noch mal den Text: ICH HABE EINEN WECHSELSACK!

  6. Pirat aller Stilrichtungen, das ist groß! Hast also doch etwas gelernt beim Workshop 😉
    Übrigens finde ich den „verrutschten Fokus“ supergut. In die Ferne fotografieren kann jeder. Du hast eine unglaubliche Bildtiefe durch das Vorziehen erreicht. Sehr gut. Erinnerst Du Dich an das Ding mit den 2 Fingern vor dem Fokuspunkt?

  7. @Boris: Bei GF gehts idR nicht um mehr Detailauflösung sondern um die Arbeitsweise. Und die bereits eingebauten Korrekturmöglichkeiten wie Tilt, Shift und Swing.

  8. Großformat hat schon einige Reserven bei der Detailauflösung. Aber digital finde ich so viel praktischer.

    Ich hätte ja gern mal ein bezahlbares, digitales Großformat 😀 -- aber bis man fast den ganzen Wafer in eine Kamera schraubt werden wohl noch ein paar Jahre ins Land gehen…

  9. Da muss ich mich einfach mal anschließen: der absolute Oberhammer! Die König-der-Löwen-Halle auf dem ersten Bild kaum zu erkennen und auf dem Crop derart Klar zu sehen, einfach faszinierend. Ich hoffe, das Großformat stirbt nicht aus und ich darf mich daran später auch noch mal probieren, wenn ich es mir nach dem Studium irgendwann leisten kann. Im Moment tut es aber auch eine alte Nikon FE (KB) und da bin ich schon begeistert von 🙂 Was ganz anderes als dieses digitale Zeugs (Canon 50D). Macht aber beides Spaß 😀

    Weiterhin viel Erfolg und Freude mit dem GF. Bin schon auf morgen gespannt. Gibt es eigentlich einen endgültigen Fertigstellungstermin der Elbphilharmonie?

    Lieben Gruß

  10. Ich habe ja früher panchromatische Filme mittels Filter auf ortho gepimpt und finde diese Filme hervorragend geeignet für Portraitaufnahmen. Also bitte „verschwende“ Deine Blätter nicht für Architektur. Wenn Du ein Model brauchst: ruf mich an, ich halte auch still 😉

  11. Ich will das nicht sehen, GF brauch ich nicht, keine zusätzlichen Gerätschaften, nein, nein, nein -- als alltägliches Mantra vor dem Spiegel aufsagen 😉

    Sehr fesch!

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