2
Jan
2013
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Wetplate

Ein fotografisches Feld, welches ich im letzten halben Jahr betreten habe, ist das Fotografieren auf Kollodium-Nassplatte (Wetplate). Ich hatte vor Jahren bei meinem Mentor Vernon Trent eine dieser Platten gesehen und fortan war es um mich geschehen. Man kann fast sagen: Mein Einstieg in die Großformatfotografie war eigentlich dem Umstand geschuldet, irgendwann selber mal solche Platten zu fotografieren…   Als dann dieser verrückte Amerikaner (Ian Ruther) irgendwann mal dieses unglaubliche Video postete, war es um mich geschehen und ich bettelte Vernon an, mich in der Kunst der Nassplattenfotografie zu unterrichten. Vernon lies sich nicht lange bitten, lud mich in sein Refugium ein und gab mir die nötigsten Skills. Seitdem stehe ich jede freie Minute kittelschürzig in der Dunkelkammer und schwärze mir die Finger. Wetplate wirft dich fotografisch ins Mittelalter und stellt dich vor Probleme, die dem Digitalfotografen in dir, größtmögliche Demut vor dem heute technisch Möglichen abverlangt (und manch einer tritt sein Blogger-Comeback nur an, um den Prozess für sich zu skizzieren: willkommen zurück Boris!) :-)). Ja, ich bin den schwarzen Platten verfallen. Ich mag die Power, die Ästhetik, die Unordnung, den zuweilen chaotischen Prozess und den Moment, wenn sich die Platte im Fixierer umkehrt: Es sind unvernünftige, viel zu teure und schwer zu beschaffende Chemikalien auf zerbrechlichem Glas in riesigen, schwere Kameras, deren Nutzen schwer erklärbar ist. Verwackelte Fotografien, bei einem halben ISO und Belichtungszeiten, die man mit einem Deckel vor dem Objektiv „aus der Hand“ abschätzt. Und am Ende hältst du deiner Frau mit stolz geschwellter Brust, eine von Kollodium zerfledderte Platte vor die Nase, auf der sie 15 Jahre älter aussieht und sagst: „Wooooowww Schatz, schau mal, sieht das nicht toll aus?!!“ Ich wurde neulich gefragt, welchen „Benefit“ ich in meinem Invest um die Wetplate-Fotografie sehe. Diese Frage hatte ich mir selbst nie gestellt und ich hab ein paar Tage darüber nachgedacht. Sich sogar sein Negativ selbst zu gießen ist im Jahre 2013 eigentlich völliger Schwachsinn und irgendwie doch nicht. Ich habe den Prozess des Fotografierens von der Herstellung der Platte über deren Belichtung bis zum Entwickeln komplett in meiner Hand und verstehe dadurch immer mehr, worauf es in der Fotografie eigentlich ankommt. Mir ist das Benefit genug. (Foto 1 & 3  von Vernon Trent)

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