23. Dezember 2011

Von Demut und feuchten Augen

Weihnachten 2001. Was hab ich den Tumult und die Hysterie gehasst – diesen ganzen Weihnachstbaumquatsch und das selbst verordnete “heimlich sein und Grinsen”. Als meine damalige Freundin bei mir einzog und einen Tannenzweig mitbrachte, um ihn zu “dekorieren”, formte ich meine Lippen zur Schnute und setzte meinen “Bruce Willis”-Blick auf. Ich verweigerte mich, kaufte keine Geschenke für irgendwen und wusste, dass diese ganze Scheinheiligkeit mir tüchtig auf den Senkel geht – und das über bereits über einen verdammt langen Zeitraum. Weihnachten am Arsch!

10 Jahre später. Ich hab vorhin – kurz nach dem Aufstehen – als erstes die Lichter unseres Weihnachtsbaumes angeschaltet (ja, er wird bei uns seit Jahren recht früh im Dezember selbst im Wald geschlagen nach Hause transportiert und geschmückt – eine kleine Familientradition… die Kinder haben dabei immer einen Heidenspaß und wir betrinken uns mit Glühwein…) Beim Frühstück unterhielten wir uns darüber, welche Kekse wir dem Weihnachtsmann morgen unter den Tannenbaum legen, welches Krippenspiel wir in welcher Kirche besuchen und wann wohl Bescherung ist. Leuchtende Kindergesichter und bei jedem zweiten Satz füsseln wir unter dem Tisch… und ich hab ständig feuchte Augen.

Ich hab gelernt, dass sich Dinge im Leben verändern. Ich hab mir bei der Bewertung von Ritualen und Traditionen eine gehörige Portion Demut und Respekt verordnet. Am Ende eines Jahres halten wir inne, blicken zurück und schauen nach vorn. Arme, Reiche, Schwarze, Weisse, Junge, Alte… Wir haben uns in der westlichen Welt darauf geeinigt, uns und andere zu beschenken. Wir sind grosszügig, demütig, üben Vergebung, sind hilfsbereit und wünschen uns gegenseitig alles Gute. Die Leute fahren nach Hause, kommen zusammen, teilen und sagen Danke – und – sogar Kriege werden unterbrochen.

Zeit darüber nachzudenken was wir tun und ob es das Richtige ist. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

John Lennon – Happy Christmas (war Is Over)