6
Aug
2010
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Was Sie schon immer über Akkus wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten

Wir alle benutzen mobilen Strom in Form von Akkus und Batterien. Doch jedes mal, wenn ich gezwungen bin eine Batterie zu kaufen (weil ich vergessen hab die Akkus aufzuladen) krieg ich grüne Scham-Pickel, denn nichts ist vergleichbar unsinnig wie die Ökobilanz einer Batterie. In Asien mit einem mehrfachen Aufwand der eigenen Energie hergestellt, einmal um die halbe Welt geschippert, mit dem LKW vom Hafen geholt, an den „Point of Sale“ gebracht um dort gekauft und dem Blitzgerät für ein paar Stunden Power zu geben. Nööö Kinder! Ich wiederhole mich: „WIR sind die Ölkatastrophe“!

Was also tun? Naja – manchmal tuts ein Sunbounce statt des Blitzes. Doch Nachts im Club wirst du damit auch nicht weit kommen. Dann also Akkus nutzen! Aber welche? Man sagt die Eneloops sollen ganz gut sein… sagt man, soso… Wer weis es genau?

Ich hab mal den Chef von Weiss Technologies Tobias Wüstefeld ein paar Fragen gestellt. Weiss Technologies ist ein junger Hersteller von Akkus für Kameras und Camcorder, die sich dem Problem der Nachhaltigkeit stellen -also ökologische Verantwortung übernehmen. Hui – wie passt das zusammen? Lest selbst:

Hi Tobias, es ranken sich zahlreiche Geschichten um die Ökobilanz von Batterien. Wie siehts den nun wirklich aus?
Die Umweltbilanz von Batterien und Akkus ist ein wichtiges Thema. Umweltgefährdend sind insbesondere Batterien, die Schwermetalle wie Quecksilber, Cadmium oder Blei enthalten. Schwermetalle sind hochgradig gesundheitsschädlich und belasten die Umwelt nachhaltig schwer – das ist, denk ich, hinreichend bekannt. Aber auch Lithium (aus Lithium-Ionen-Akkus) und Mangandioxid (aus Alkali-Mangan-Batterien) sind umweltgefährdende Stoffe, wenngleich diese als umweltverträglicher eingestuft werden. In den Hausmüll gehören weder Einwegbatterien noch Akkus. Bedenkt man, dass nur etwa 1/3 der ca. 4 Milliarden jährlich verkauften Batterien und Akkus vorschriftsmäßig entsorgt werden, erahnt man das Ausmaß der Schadstoffe, die durch unkontrollierte Entsorgungswege die Umwelt belasten.
Einwegbatterien haben darüber hinaus eine äußerst „schlechte“ Energiebilanz. Sie gelten zu Recht als eine der teuersten Energieformen überhaupt. Zur Herstellung einer  Einwegbatterie wird 50 – 500 mal mehr Energie verbraucht, als die Batterie dann später abgibt. Ein totaler Irrsinn, wenn man drüber nachdenkt.
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Wow! Und Akkus?
Im Vergleich zu Batterien können „moderne“ Akkus bis zu 1.000mal, in einzelnen Fällen  bis zu 1.500mal, wieder aufgeladen werden. Was klar für die bessere Ökobilanz spricht;  selbst wenn man den Strom, der beim Aufladen des Akkus verbraucht wird, mit einbezieht.
Einwegbatterien würde ich hinsichtlich der Öko- und Energiebilanz nur noch dann empfehlen, wenn das Gerät einen sehr niedrigen Stromverbrauch hat, wie das zum Beispiel bei einer Uhr der Fall ist.
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Ok. Was sind denn die Vor- und was die Nachteile eines Akkus? Und wieso werden immer noch Batterien verkauft?
Eine gute Frage. Einwegbatterien machen, wie bereits eben erwähnt, in einigen wenigen Endgeräten durchaus Sinn. Wieso dennoch weiterhin so viele Einwegbatterien verkauft werden, da kann ich nur spekulieren. Einerseits hängt dies wohl mit dem mangelnden Wissen um Akkus und Batterien zusammen und andererseits sind Akkus im Anschaffungspreis deutlich höher als Einwegbatterien. Durch ihre wieder Verwendbarkeit sind diese auf Dauer allerdings sehr viel billiger. Ein oft genannter Nachteil von Akkus ist (bzw. muss man heute fast sagen war), dass diese vor dem ersten Gebrauch geladen werden müssen. Akkus sind damit in den meisten Fällen nicht sofort einsatzfähig. Seit der Entwicklung der „Ready2use“-Akkus, wie den eneloops von Sanyo, wird dieses Argument, meiner Meinung nach, zukünftig mehr und mehr entkräftet werden.
Doch Akku ist nicht gleich Akku. Es gibt unterschiedliche Arten von Akkus, die sich in ihren Vor- und Nachteilen unterscheiden: Nickel-Metallhydrid-(NiMH) Akkus, Nickel-Cadmium-Akkus und Lithium-Ionen-Akkus. Der Li-Ionen Akku ist heute der meist verwendete Akku in der Unterhaltungselektronik. Diese Akkus findet man zum Beispiel in Laptops, Handys und in Digitalkameras.
Ein riesiger Vorteil dieses Akkus ist die geringe Selbstentladung, sprich die Abgabe von Energie ohne Nutzung. Ferner leiden Li-Ionen Akkus nicht unter dem so genannten Memory-Effekt. Dadurch bleibt die Ladekapazität bei Li-Ionen Akkus auch nach mehrmaligem Aufladen des nicht vollkommen entleerten Akkus nahezu gleich. Ni-Mh- und Ni-CD-Akkus hingegen sollten aufgrund des Memory-Effektes immer erst dann geladen werden, wenn sie komplett leer sind.
Kapazitäten von weit über 1.000 mAh sind bei Li-Ionen-Akkus mittlerweile keine Seltenheit mehr. So kann der Akku das entsprechende Endgerät länger auf gleichbleibendem Niveau mit Energie versorgen, was insbesondere im Fotografiebereich wichtig ist.
Allerdings bedürfen Akkus einer besonderen Behandlung, was vielleicht als Nachteil gewertet werden kann. Die Lebensdauer ist stark abhängig von der Qualität der Materialien bspw der Zellen, aber auch von der Pflege des Akkus. Von Vorteil beispielsweise ist die Lagerung des Akkus im halbvollen Zustand. Warme Temperaturen wirken sich eher nachteilig aus. Ich beispielsweise bewahre meine Akkus im Kühlschrank auf – das ist kein Witz. Eine Lagertemperatur zwischen 0 und 10 Grad ist nämlich optimal.
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Akkus in den Kühlschrank? Wieder was gelernt! Du hast gerade die vielseits beliebten „Eneloops” angesprochen. Was steckt eigentlich hinter dieser neuen Generation Akkus und was macht sie so besonders?
Sanyo hat mit den eneloops sicherlich einen großen Entwicklungsschritt in der Batterietechnologie geschafft. Denn die eneloop Akkus vereinen die Vorteile von Einwegbatterien mit den Vorteilen von Akkus. Eneloops sind sofort einsetzbar, haben eine sehr geringe Selbstentladung und das, auch noch nach längerer Lagerung, Die neueste Generation lässt sich angeblich bis zu 1.500x wiederaufladen. Dadurch sind diese Akkus schonend für die Umwelt und für den Geldbeutel ebenso. Die stabile Endladespannung bei den eneloops ist sehr beachtlich und entscheidend für die Versorgung von stromintensiven Geräten wie Digitalkameras. Wenn man sich für technische Details interessiert kann man das gut auf http://www.eneloop.info/de/home/technologie.html nachlesen. Als günstige Alternative kann ich hier noch die enitime von Yuasa empfehlen, die sich von Leistung her sehr wohl mit den eneloop Akkus messen können, wie wir in einem Praxistest feststellen konnten http://www.akkudo.de/blog/allgemein/vergleich-eneloop-mit-enitime.html
Hey – der Gummibärchentest ist echt witzig! Ihr behauptet auf Eurer Internetseite, dass ihr Euch der ökologischen Verantwortung stellt. Wie sieht das konkret aus?
Die Technologieproduktion findet momentan leider immer noch zu nahe 100% in Fernost statt. Alle namhaften Hersteller lassen dort ihre Produkte produzieren, wenngleich einige wenige zumindest die Konzeption der Produkte im Heimatland laufen lassen. Die Produktion in Fernost ist aus ökologischen und moralischen Gesichtspunkten nicht immer einwandfrei. Man muss als Hersteller sehr genau schauen, wo und von wem man seine Produkte produzieren lässt. Anders ist es schwer machbar, weil eben der Markt genau diese günstig produzierten Produkte verlangt. Das Bewusstsein für ökologisch und ethisch „bessere“ Produkte ist auf dem europäischen Markt in diesem Segment noch nicht weit verbreitet. Doch wir sind guter Hoffnung, dass sich dies bald ändert.
Unser Ziel ist es, alle WEISS – Produkte zukünftig in Deutschland, also Made in Germany, produzieren zu lassen. Das wird der entscheidende Schritt sein, um die Ökobilanz von WEISS weiter zu optimieren. Ich denke, wir wären damit die erste Marke in diesem Segment, die seine Produkte in Deutschland produzieren ließe. Unsere Kunden müssten gegebenenfalls einen höheren Preis zahlen, der aber immer noch unter dem Verkaufspreis des Originals liegen würde. Dafür bekommen Sie aber auch mehr – ein qualitativ hochwertiges Produkt mit einer verbesserten Ökobilanz. Ohnehin sind wir hinsichtlich neuer, besserer Technologien immer offen. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es allerdings im Bereich der Digicam Akkus noch keine umweltfreundlichere Alternative. Was den Markt angeht, ist es, das A und O in Sachen Preis – Leistungsverhältnis, immer besser zu werden. Aber auch ökologische und ethische Gesichtspunkte sollten im Interesse Aller immer stärkere Berücksichtigung finden.
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Ihr startet ja gerade mit Weiss. Euer Fokus liegt auf Akkus für Kameras und Camcorder. Auf Eurer Seite finden sich aber bisher nur eine Handvoll Akkus . Wird es Weiss-Akkus für alle gängigen Kamera-Marken geben?
Ja nahezu. WEISS – more power + ist eine junge Marke. Bei der Entwicklung unserer Akkus verwenden wir erstklassige Zellen, da diese für die Leistungsfähigkeit und die Lebensdauer des Akkus entscheidend sind. Eine lange Lebensdauer schont dann wieder die Umwelt, was uns ein großes Anliegen ist.
Mittlerweile haben wir 20 Akku-Modelle für fast alle gängigen Marken. Die EOS Linie von Canon decken wir genauso ab, wie die D-Modelle von Nikon. Auch für die vielen beliebten Digitalkompaktkameras von Panasonic oder Casio gibt es mittlerweile WEISS Akkus. Alle zwei Wochen werden wir demnächst einen neues Akkumodell auf unsere Website präsentieren. Unter www.weiss-technologies.com kann man dann genau schauen, für welche Kamera-Modelle wir den passenden WEISS-Akku haben. Unser Modelle bauen wir kontinuierlich aus.
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Wird es auch Weiss Akkus in  „AA“ oder „AAA“ geben?
Ja, wir planen in naher Zukunft auch in diesen Markt einzusteigen
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Und wie kann ich Eure Akkus beziehen?
Wir vertreiben unsere Akkus momentan nur Online z.B. über Akkudo.de
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Die Original-Akkus der am Markt befindlichen DSLR sind in Sachen Power und Ausdauer schon Irre. Können Fremdhersteller die von den Herstellern vorgelegten Werte überhaupt erreichen?
Ja, das können sie. Auf dem Markt sind unterschiedliche Qualitäten von Zellen verfügbar. Die Original Akkus sind meist mit guten Zellen bestückt, sie sind gut verarbeitet, unterliegen strengeren Qualitätskontrollen und haben dementsprechend insgesamt eine gute Qualität. Mit WEISS sind wir bestrebt die Qualitätsstufe des Originals zu erreichen und in einzelnen Fällen auch zu überbieten. Dies ist kein Problem, sondern einfach eine Frage des Einkaufspreises und lückenloser Qualitätskontrollen.
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Nun wissen wir um den Irrsinn von Herstellung und Nutzung mobilen Stroms! Schauen wir mal 20 Jahre in die Zukunft: Wie sieht der Akku von morgen aus? Was kann und soll er leisten oder nutzen wir dann schon kabellose Stromübertragung?
In der Tat. Wenn man allein bedenkt, dass das Lithium für die Herstellung der Li-Ion Akkus u.a. aus Südamerika stammt, dann nach Fernost transportiert werden muss, um dort verarbeitet zu werden und dann der fertige Akku von dort z.B. nach Europa verschifft wird, ist dies ökologisch gesehen ein fragwürdiges Unterfangen. Zudem sind die meisten modernen Technologien an sich alles andere als umweltfreundlich – von der Herstellung bis zur Entsorgung.
In den nächsten 10-15 Jahren wird sich zwangsläufig eine Menge ändern müssen. Um das Leben auf der Erde für alle Kreaturen weiterhin lebenswert gestalten zu können, bedarf es eines klaren Umdenkens. Neue umweltfreundlichere Technologien werden sich hoffentlich in den nächsten Jahren ihren Weg bahnen.  Die notwendige Unterstützung erhalten diese Technologien aber nur, wenn der Konsument diese auch annimmt.
Mobile Energie bleibt in meinen Augen DAS Thema von heute und morgen. Sie wird sich in allen Bereichen, wo sie angewendet werden kann – vom Auto bis zum Zug – durchsetzen. In 20 Jahren wird diese, so hoffe ich, dann auch bereits zu 60% aus regenerativen Energiequellen gespeist. Nichtsdestotrotz bleibt uns als Konsument die Aufgabe unseren eigenen Verbrauch permanent zu hinterfragen. Zwar wird die ökologische und effiziente Speicherung von Energie immer besser, aber auch wir sind in der Verantwortung weniger Energie zu verbrauchen – und das in allen Bereichen.
Vielen Dank Tobias!
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Und weil der Tobias ein Herz für Fotografen hat, verlost er 10 x einen Ersatz-Akku für Deine Kamera oder Deinen Camcorder. Ihr könnt also gewinnen! Und wie? Einfach eine Mail an: gewinnspiel@weiss-technologies.com
mit Angabe Eures Kamera-Modells (Ganz wichtig!) und der Antwort auf die Frage: Wie heisst der Slogan von Weiss Technologies?
Einsendeschluß ist der 18. August!

14 Responses

  1. Pingback : Akkudo Blog » Die leichte Schwester – eneloop lite

  2. Choque

    Hab soeben ebenfalls eine sehr nette Nachricht erhalten. Danke ebenfalls an die Firma Weiss für den Akku und YARR! an unsren Piraten für das Interview 🙂

  3. ein sehr langer, aber guter artikel.

    das mit den akkus im kühlschrank hat meine mutter auch gewusst ! heute lohnt sich das für mich aber kaum noch, da ich die akkus fast jeden tag nachladen muss.

    mit eneloope und enitime akkus habe ich sehr gute erfahrungen gemacht. sie leben länger als die varta batterien und sind bei amazon extrem günstig.

    ganz nebenbei: schönes seiten-design !

  4. Nun diese Akkulampen sieht man zumeist bei Moutain-Bikes. Fahrräder mit 28 Gängen, mit denen man Gebirgspässe überqueren soll, aber eine kleine Glühbirne mit einem Dynamo anzutreiben ist zu anstrengend?! Was mir auch nicht einleuchtet ist Gewichtsersparnis wenn die Lampe nicht fest am Fahrrad montiert hat, sondern im Rücksack mit sich trägt. Aber ich schweife ab…

  5. Warum findest Du den bei Fahrradlampen unsinnig? Habe ich seit Jahr und Tag an meinen Rädern.

    Inzwischen gibt es eine Reihe von Ladegeräten, die beim Erreichen der Akkuladung nicht mehr auf Erhaltungsladung schalten -- sondern komplett ab. Ansmann z. B. bietet solche Lader in Deutschland an.

    Und bei konventionellen Ladegeräten liegt es ja in Deiner Verantwortung, keinen Atom-, sondern Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen.

  6. Was mich noch interessieren würde: Wie gut ist eigentlich die Energiebilanz von Ladegeräten. Die sind ja stundenlang im Betrieb und saugen den (Atom?)strom

    Unsinnig finde ich in dem Zusammhang übrigens den Akkueinsatz bei Fahrradlampen.

  7. Mal so rein aus der Erfahrung: Die Eneloops und die Alternative von Ansmann funktionieren in meinen SB -- 800 und SB -- 900 mit erstaunlicher Standzeit.

    Sie sind bei mir Nachfolger der vor vor vielen Jahren gekauften Sanyo Twicell 1600mah und halten (dank ~2000mah) spürbar länger (== mehr Blitze). Dazu kommt, dass ich vor keiner Tour mehr „nachladen“ muss:

    Früher habe ich nach einem Außentermin alle Akkus entladen und aufgeladen, kurz vor der nächsten Tour dann nachgeladen.

    Heute lade ich die Eneloops nur noch nach dem Einsatz nach (ohne Entladen) und kann auch bei den ältesten von ihnen keinen Leistungsverlust feststellen.

  8. manne

    ich finde gut, wenn deutsche firmen im markt mitmischen. das belebt den markt und ist für uns als Kunden gut. Wenn dann noch in deutschland produziert, dann passt es doch doppelt. Die Idee mit den weißen Akkus und dem „Ökozeug“ ist marketingtechnisch sicher auch net schlecht 😉 -- Also weiter so!

  9. Guido

    Ich habe das Gefühl, dass da ein kleiner Händler mit etwas Öko-Gefasel seine im wesentlichen in Fernost produzierte Handelseigenmarke billig über Blogs promoten möchte? Kritisiert die Ökobilanz der Akkus aus Fernost, aber 98% der in seinem Shop angebotenen Akkus sind genau solche?

    „Die EOS Linie von Canon decken wir genauso ab“

    Wo finde ich einen LP-E6- oder LP-E8-Akku von Weiss, wie er in 5D II, 7D bzw. 550D zum Einsatz kommt?

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