30
Mrz
2010
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Shooting mit Interview: Sven Wiesner

Es gibt Typen, die fallen auf. Sven Wiesner ist so einer. Bereits beim Barcamp HH im letzten Jahr liefen wir uns kurz über den Weg und Kollege Malte Kopfbunt raunte mir von der Seite ein „Sven ist n´feiner Kerl geiler Typ…“ zu – „der macht so Social Media Krams…“ Ich stellte mir damals vor, wie so ein tätowierter Typ wie Sven im Konferenzraum eines Glaspalastes die Marketing-Fuzzis vom Gegenteil überzeugt und mochte die Idee…
Auf der Hamburger Ignite-Party traf ich ihn dann zum zweiten mal… Hier referierte er über sein „rostiger Käfer „-Projekt und überzeugte mich, daß da einer steht, der weiss wovon er redet.

Irgendwann schrieb er mich an, weil ihm meine Fotos der Ignite-Party aufgefallen waren und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, ihn abzulichten. Hatte ich natürlich und so trafen wir uns am Montag in den heiligen „rostiger Käfer“ Hallen zum Shooting. Ich verzichtete zunächst auf Blitz, Zoom und Autofokus und trat mit einem Nikkor 24/2.0 auf der Nikon D3s an. Die Werkstatt bat ne Menge geiler Sets und so arbeiteten wir uns in 3 Stunden durch diverse Möglichkeiten. Sven erwies sich als recht unkompliziertes Motiv mit jedoch sehr überschaubaren 1,5 Gesichtsausdrücken – aber die hat er dann auch drauf!

Zeit für ein kleines Inteview zum Thema „Social Media“ blieb ebenfalls…

Sven, man braucht zu Dir eigentlich nicht viel zu sagen. Die meisten kennen Dich… Du bist „Social Media Experte“ und vermarktest Dich und Deine Projekte ausgiebig im Netz. Hast Du nie Angst, daß Du zuviel von Dir Preis gibst?
Danke für die Blumen, ich bin selbst manchmal ziemlich überrascht von der Auswirkung meiner Postings im Social Web. Manche habe echt den Eindruck ich jette nur durch die Gegend und bin jeden Abend bis in die Puppen Astra trinken. Das ist alles relativ, eigentlich bin ich am liebsten im Jogger zuhaus auf dem Sofa. Zuviel von mir preisgeben? Nein, ich denke ich habe ein ganz gutes Gefühl dafür was nicht ins Internet gehört. Etwa Probleme mit Freunden und Familie gehört da definitiv nicht hin. Wenn mich was persönlich verletzt lasse ich das ebenfalls weg. Letztes Jahr etwa wurde mir meine frisch restaurierte Honda Monkey vor der Wohnung weggeklaut. Das hat mich schon derbe geärgert, gelesen hat man davon bei Twitter und Facebook nix. Vor jedem Posting sollte man sich fragen: „Würde ich das draußen an die Hauswand schreiben und meinen Namen drunter setzten?“. Nichts anderes sind Postings bei Facebook und Twitter nämlich .

Wie würdest Du  Social Media mit einem Satz beschreiben?
Soziale Medien verbinden Menschen aus der ganzen Welt über das Internet.

Als Experte und Berater auf diesem Gebiet kennst Du Dich besten aus… Unfälle alá Nestle oder Jako zeigen, daß selbst große Unternehmen noch Nachholbedarf in Sachen Social Media haben. Wie erklärst Du Deinen Klienten den Nutzen von Social Media?
Ich versuche zuerst mal den Hype zu entzaubern und zu vermitteln, worum es bei Social Media geht. Nämlich den direkten Kontakt zum Kunden herzustellen. Dann klären wir gemeinsam die Ziele und die zur Verfügung stehenden Ressourcen und ich empfehle mit welchen Mitteln wir unser Ziel erreichen. Es muss nicht immer gleich ein Twitter Account sein oder eine Facebook App. Manchmal sammelt man auch erst einmal erste Erfahrungen im Social Web mit einem guten, alten Blog (die sind nämlich ganz und gar nicht tot!). Wichtig ist, dass das Unternehmen bereit ist, die Basis für Aktivitäten im Social Web zu liefern. Nämlich eine offene Kommunikation, kurze Abstimmungswege und die Bereitschaft ein klein bisschen Kontrolle aus der Hand zu geben. Der aktuelle Cyberkrieg zwischen Greenpeace und Nestlé im Social Web zeigt es ganz deutlich: Es ist nicht immer alles heile Welt bei Twitter und Facebook! Hier gilt es manchmal Ruhe zu bewahren, Arsch zusammenkneifen und den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Ein Unternehmen kann nach einer erfolgreichen Krisen-PR im Social Web sogar sehr viel authentischer und symphatischer beim Kunden dastehen als zuvor!

Kannst Du auch mal ein Beispiel eines konkreten Erfolges von Social Media beschreiben?
Aktuell beschäftige ich mich intensiv mit Location based Services, also Diensten wie Foursquare und Gowalla. Hier checken sich Nutzer über Ihr Smartphone in Bars oder Geschäfte ein, in denen sie sich gerade befinden. Das ist faszinierend, auch ohne das es derzeit konkrete Anreize wie Freibier oder ähnliches gibt geht der Dienst durch die Decke. Weil es einfach verdammt Spaß macht! In meinem Blog habe ich dazu einen aktuellen Beitrag veröffentlicht:
http://www.webzweipunktnull.de/2010/03/7-fakten-ueber-local-based-communitys/

Kann man es sich aus Deiner Sicht als Selbstständiger eigentlich überhaupt noch leisten „nicht gesocialt“ zu sein?
Kommt darauf an. Wie so oft im Social Web ist es schwer da eine pauschale Aussage zu treffen. Wenn Du „was mit Medien“ machst, sicherlich nicht. Gerade Selbständige können über soziale Medien großartig für sich trommeln und sich selbst promoten. Facebook, Blog und Twitter sind kostenlose Tools die jeder Freelancer nutzen sollte, um über seine Projekte zu sprechen. Es gibt jedoch tatsächlich auch Leute bei denen es noch Sinn macht , dass sie unsozial im Web unterwegs sind. Wenn ich da etwa an meinen Freund Olli denke, der in der Hamburger Vorstadt in seiner Halle an Amerikanischen Hot Rods schraubt. Das ist so erdig dass es fast schade wäre wenn er das im Web breitreten würde. Manchmal macht es eine Sache auch attrativer, wenn sie nicht im Internet auf allen Kanälen rausgeschrien wird. Ich denke das werden in Zukunft die Perlen sein die es zu entdecken gilt.

Alles was „In“ ist, ist ja auch mal wieder „out“…die Twitter-User-Zahlen gehen mittlerweile wieder zurück, Google Waves ist in der Versenkung verschwunden… Erleben wir eigentlich momentan schon die „Spitze“ des Machbaren und der Markt beruhigt sich in Zukunft wieder etwas… oder ist das nur die „Lernphase“ der User und der Übergang zu mehr?
Gehen Sie zurück? Ich halte nichts von solchen Zahlenschiebereien. Die Social Web Bewegung ist eine Entwicklung die man nicht mehr rückgängig machen kann. Mit der entsprechenden Technologie kann nun jeder Mensch der etwas zu sagen hat (oder auch nichts) zum Sender werden. Ich denke in Zukunft wird es keine große Rolle mehr spielen, welche Dienste man nutzt. Schon heute gibt es Tools, die auf einen Schlag mehrere Plattformen mit einem Update versorgt. Wichtig ist, dass die Menschen immer mehr dazu bereit sind, Ihr Leben im Social Web zu teilen. Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Darin stecken natürlich auch viele Gefahren, ich würde beispielsweise lieber heute als morgen das Fach „Medienkompetenz“ in der Schule sehen. Die Kids müssen wissen was Sie etwa mit Cybermobbing anrichten oder wie sie auf halbnackte Typen im Chatroulette reagieren sollen.

Ok, Ein letzter Tipp für alle Zögerer ?
Einfach mal machen! Die Lust am Social Web kommt mit den ersten, schönen Erlebnissen! Twitter beispielsweise ist ein Phänomen dass sich Dir erst erschließt wenn Du dabei bist! Für den besseren Start schreieb ich unter http://twitter-training.de eine kleine Twitter-Anleitung für blutige Anfänger.

Thx! Man sieht und liest sich…

Sven Wiesner ist freier Social Media Berater aus Hamburg St. Pauli. Er berät Unternehmen und Agenturen im Bereich Marketing auf Social Networks.
Er schreibt in seinem Blog unter www.webzweipunktnull.de und betreibt folgende Kanäle im Social Web:

www.xing.com/profile/Sven_Wiesner3
www.facebook.com/sven.wiesner
twitter.com/svenwiesner

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6 Responses

  1. Pingback : DESIGNLOVR.NET » Sven Wiesner über Trends und Strukturen im Social Media

  2. Sven das Nordiginal :) Und ja ich finde dein Lachen auf den Bildern sehr authentisch 😀

    Hat Spaß gemacht den Ausflug in Svens Schrauberparadies hier nachzulesen. Thx!

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