11
Feb
2015
26

Porträt und Interview: Mola Adebisi

Ich kenne Mola seit über 10 Jahren über einen gemeinsamen Freund. Naja eigentlich kenne ich ihn schon sehr viel länger. Aber seit etwa 10 Jahren persönlich. Mola war früher beim Musiksender VIVA Moderator. VIVA war der erste deutsche Musiksender, der mit Moderatoren wie Stefan Raab, Charlotte Roche, Heike Makatsch oder eben Mola Adebisi komplett anders als MTV war und trotzdem schaffte, cool zu sein… naja, zumindest bis irgendein Doofmann die Klingeltonwerbung erfand… aber das ist eine andere Geschichte.
Im letzten Jahr überraschte Mola (nicht nur mich) mit seinem Einzug ins Dschungelcamp und kam dabei nicht wirklich gut weg. Nun –  ein Jahr später –  wurde es Zeit, den alten VIVA-Haudegen in seiner Heimatstadt Solingen auf ein ausgiebiges Frühstück zu treffen und ein Interview für euch zu führen…

Wie fang ich an? Warst du 2014 gern Mola Adebisi?

Haha, klar war ich gern Mola Adebisi. Ich mag den! Ich bin ihm treu geblieben – auch wenn das für manche nicht so aussah…

Als ich gesehen habe, dass du in den Dschungel gehst, hab ich bei mir gedacht: Mola, Alter!? Was machst du da?
RTL hat mich 5 Jahre lang gefragt, ob ich in den Dschungel gehe. Und jedes Jahr haben sie meine Gage erhöht bis es irgendwann sechsstellig wurde. Und dann hab ich gesagt, ok, ab jetzt ist es interessant. Das Dschungelcamp ist ne Unterhaltungsshow und ich bin Unterhalter. Ich bin ja zu fast allem bereit, um Menschen zu unterhalten – das habe ich im Grunde mein ganzes Leben gemacht. Wenn das Publikum mich im Dschungel als Memme bezeichnet, dann nehme ich das so hin. Die Frage ist doch: Lebst du für eine Reputation?

Ich hatte ja vorher nie wirklich schlechte Erfahrungen mit der Presse. Also so, dass man mir Dinge im Mund verdreht hat. Während meiner Karriere bei VIVA und auch danach hatte ich nie komische Interviews oder so. Klar fand mich mal ein Redakteur doof, aber was RTL da aus meinem Auftritt zurechtgeschnitten hat, hat mich schon gewundert. Ich bin zugegebenermaßen etwas blauäugig da rein gegangen und habe leider viel zu spät gesehen, wie schlau die anderen das im Dschungel gemacht haben… die waren super vorbereitet und hatten richtige Codes in den Briefen versteckt, die wir von Außen im Dschungel erhalten haben…

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Was mich echt erschüttert hat: Ich dachte vorher, das wäre ne Unterhaltungs-Sendung, wo jeder seinen Spaß hat. Die Moderatoren machen sich über die Promis lustig – die machen sich zum Löffel und der Zuschauer lacht. Der Promi verdient, RTL hat Quote und der Zuschauer wird unterhalten. Also klassische Win-Win Situation. Aber bei den Bildern, die ich von dir da gesehen habe, hatte ich so das Gefühl, dass da was nicht stimmt. Ich meine, wir kannten uns ja nun doch schon ein paar Tage vorher, aber irgendwie warst du das nicht…

Wenn du dir den Zusammenschnitt von uns ansiehst, dann fehlen die Parts von mir, in denen ich Späße gemacht habe, die Situationen wo ich gesungen habe, die Witze, das Lachen, das Singen – das fehlt alles. Klar, wenn man mich nur in den Situationen zeigt, in denen ich einen Hals hatte, bekommt man dieses einseitige Bild von mir. Und klar – die Situationen gab es natürlich auch: Der Dschungel ist kein Spaß – du wirst da von den Rangern herumgeschubst – bei täglich 300g Bohnen und Reis – das wenige Essen macht dich unglaublich dünnhäutig. Und dann gibt es nicht mal ein Interview mit mir, wo ich das Bild hätte gerade rücken können. Also gemacht wurden die Interviews schon – nur eben nicht ausgestrahlt…

Der Dschungel ist kein Spaß
Hm, meinst du, dass RTL das von vornherein plant? Also den Einen aufzubauen und den Anderen fallen zu sehen?
Naja, vielleicht nicht direkt. Beim Dschungelcamp geht es ja immer um Fallhöhe – „from hero to zero“… es gewinnen ja nie die Favoriten, sondern immer die Außenseiter. Weil gerade das den Zuschauer fasziniert. Alles andere wäre doch langweilig. Wenn der Wendler oder ich gewonnen hätte, wäre die Überraschung nicht groß genug gewesen. So hat Melanie Müller gewonnen und alle haben es ihr gegönnt – ich am allermeisten. Vom dramaturgischen Aspekt haben sie das natürlich gut gemacht. Von der Ethik her, finde ich es aus heutiger Sicht eher fragwürdig… da hängt zuviel dran. Eigentlich hat der Wendler das echt am Schlauesten gemacht, nach vier Tagen rauszugehen.
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Hm…und dann kommst du da raus, liegst am Boden und der Mob tritt nach. Wenn man dich googelt, sind die ersten 10 Seiten ja nur Dschungelscheiße und Shitstorm. Dann hast du diese Führerscheinnummer an der Backe, die normalerweise keine Sau was angeht… Ich meine, das bist du ja nicht.
Klar, aber das merkst du doch selbst im Kleinen auf deinem Blog. Ab einem bestimmten Punkt, lebst du für die Kunstfigur „Stilpirat“ oder ich eben als „Mola“. Dann wird alles was du sagst auf die Goldwaage gelegt. Ich bin niemals wirklich privat unterwegs sondern immer als der „Mola“. Und dann ist halt jeder Mist für jeden interessant. Das ist aber völlig ok für mich. Das ist eben Teil des Jobs. Das Lustige ist, dass ich ganz andere Erfahrungen mit den Leuten mache, wenn ich draußen unterwegs bin. Außerhalb des Internets, finden mich die Leute nach wie vor gut. In einigen Kreisen ist mein Imagezuwachs echt groß – wie beim MMA – Kampfsport. Die paar Tage Dschungel kriegen 10 Jahre Fernsehkarriere ja nicht kaputt. Da sind vielleicht ein paar Kratzer im Lack, aber der Lack ist ja nicht ab. Ich habe jedenfalls nicht das Gefühl, dass ich irgendwas neu lackieren muss.
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Wie relevant ist Fernsehen für dich denn überhaupt noch?
Fernsehen ist nach wie vor Leitmedium. Ich bin ein Fernsehkind. Ich bin kein Youtuber und kein Blogger… das bin ich nicht…

Wäre Youtube nicht ne Platform für dich?
Doch doch…hab ich ja gemacht: Musicdeal. War ne coole Sendung mit deutschem HipHop… Auch dort ist meine Akzeptanz riesig… also nichts von wegen „raus aus dem Entertainment“. Bei Musicdeal hatte ich alle namhaften deutschen HipHopper in der Sendung, habe Interviews geführt und wurde ernst genommen… das erinnerte mich schon wieder stark an VIVA. Hat Spaß gemacht!

 

Und so saß ich 45 Minuten mit Janet Jackson in Paris und wir haben einfach gequatscht

 

Apropos Viva. Du hast damals ja alle vor dem Mikrofon gehabt, die Rang und Namen hatten. Gab es denn damals eigentlich mal sowas wie einen „magischen Moment“? 
Oh, da gab es viele. Lass mal überlegen…An eine Sache erinnere ich mich. Ich weis jetzt allerdings nicht, ob der nur für mich magisch war. Das war damals in Paris bei einem Janet Jackson Interview – ein Riesenauflauf – alle relevanten Jugendmagazine standen Schlange und wollten ein Interview mit ihr. Die hatten alle ihre Manuskripte in der Hand und Konzepte und Zettelchen geschrieben… und ich hatte gar nichts. Als die Managerin von Janet Jackson dann rauskam und verkündete, dass weder Fragen zu Michael Jackson noch dem Privatleben von Janet beantwortet werden, gab eine Heiden-Aufregung, weil sich jeder noch mal neue Fragen ausdenken musste. Es gab ne lange Liste an „no go´s“ und die Manuskripte und Zettelchen wanderten alle in den Müll. Ich kam dadurch als erster rein und dummerweise funktionierte irgendwas mit der Technik nicht. Und so saß ich 45 Minuten mit Janet Jackson in Paris und wir haben einfach gequatscht. Sie hat mir dann erzählt, dass sie gern inkognito mit ner dicken Sonnenbrille durch die Städte fährt und wir haben anschliessend ein super lockeres Interview geführt, in dem sie mir dann doch Fragen zu ihrem Bruder und ihrer Familie beantwortet hat…  damals hatte sie gerade das teuerste Musikvideo aller Zeiten gemacht… für 10 Mio Dollar! Wahnsinn! Und heute? Die Musikindustrie ist tot.
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Ich glaube ja immer noch, dass die Musikindustrie sich gerade einem notwendigen Reinigungsprozess unterzieht. 
Nein, die Musikindustrie hat das Internet verschlafen. Das Internet wurde ja nicht in geheimer Mission an der Musikindustrie vorbei entwickelt. Die haben sich damals nicht einigen können und saßen auf einem hohen Ross. Aber der größte Witz da draussen ist für mich Sony. Sony hat den Walkman erfunden, dann den Discman und MP3 Player haben sie auch hergestellt… Sony produziert eigene Filme und eigene Musik aber haben keine Platform, auf der sie das alles relevant zusammen bringen…
der größte Witz da draussen ist für mich Sony.
… und dann kommt einer, der nichts außer einer Idee, einem schwarzen Rolli und einem angefressenen Apfel hatte, und räumt den Tisch ab…Genau! Apple ist halt clever. Weist du eigentlich was für ein cleveres Konglomerat VIVA war? Viva gehörte ein paar Plattenfirmen, die ihren eigenen Content auf dieser Platform präsentiert haben. Das war super sinnig und wirksam. Aber irgendwann kam dann diese  „Gier frisst Hirn“ Attitüde. Da flogen die Musikexperten raus und Media-Experten wurden eingestellt. Die kümmerten sich nur noch um Werbezeitenvermarktung… das war der Anfang vom Ende. Ist traurig zu sehen, was aus Viva geworden ist…
 Ich habe das Gefühl, in den Neunzigern gab noch mehr Leute mit Eiern. Irgendwie fehlt mir das heute… sind doch alles Schisser…
Naja, der Böhmermann ist ja endlich mal ein Typ, der gern aneckt und „Eier hat“. Aber der kann auch wirklich was. Von den „jungen Wilden“, ist er derjenige, der es am meisten verdient hat, ne wirkliche Late Night Show zu machen. Der hat das Kaliber und dieses hohes Maß an Intelligenz. Böhmermann ist für mich Champions League…
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Die Kellnerin bringt eine neue Ladung Tee…
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Wo waren wir? Ach dein Führerschein… Nun fährst du erstmal ein paar Monate Bahn… 
…was nicht lustig ist. Als farbiger Promi wirst du da mit einigen unschönen Situationen konfrontiert… Neulich durfte ich mir rassistische Sprüche in der Bahn anhören…
Ich bin mittlerweile an einem Punkt, wo ich mich nicht mal mehr darüber aufrege, sondern die Augenbrauen hochziehe und mich einfach nur wundere
… ist nicht dein ernst…
Leider ja. Ist aber nicht neu. Während meiner VIVA-Zeit hab ich sogar mal ne Morddrohungen erhalten – ich war sogar Schutzklasse 3. Aber ich glaube, das geht weniger gegen mich als Person, sondern hängt mehr mit der Unzufriedenheit über die eigene Situation zusammen. Ich bin da nur stellvertretend der Sündenbock für alles, was diesen Leuten entgangen ist. Die Bahnpolizei hat aber super reagiert und den Typen rausgezogen…
Ich habe ehrlich gesagt immer weniger Energie mich mit solchen Typen auseinander zusetzen. Ich bin mittlerweile an einem Punkt, wo ich mich nicht mal mehr darüber aufrege, sondern die Augenbrauen hochziehe und mich einfach nur wundere. Ist ja auch ne schöne menschliche Weiterentwicklung. Und wenn es das war, was ich aus 2014 mitgenommen habe…
Was für ein schönes Schlusswort. Lass mal fotografieren gehen…

 


Fotos & Interview

Steffen Böttcher

www.steffenboettcher.com


Postproduction

Mr. Retouching

Josh Terlinden 


Übersetzung

Juliane Bartosch
Hier gehts zum Interview in englischer Sprache

 Gear: Pentax 645z | Lens: 55er | 35er | 25er | Hasselblad 110/2.0
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