24. September 2010

Photokina – ein Verriss

Gestern nun war ich nun auf der Photokina in Köln. Wer hofft, von mir hier und heute die geilsten Tools und Tipps zu erfahren, den muß ich auf nächste Woche vertrösten. Dann nämlich wird der neue Knackscharf Podcast aufgezeichnet und ich bespreche mit Kollegen Paddy unsere Fundstücke und Erlebnisse der Messe für “Foto-Entusiasten”. Und so komme ich gleich zur Sache.

Wo fang ich an? Mit meinem Gesamteindruck. Ein Wort: Hach ich weis nicht…

Mag sein, daß ich ein anderes Bild im Kopf hatte und meine Erwartungshaltung eine andere war. Mag sein, daß mir die vorletzte Photokina (auf der letzten war ich nicht) anders im Gedächtnis geblieben ist. Mag sein, daß ich heute einen anderen Blick als damals hatte… Wie soll ich´s sagen?

Du kommst in Köln Hbf an und kein einziges Schild gibt Auskunft darüber wie es weiter geht? Welche Züge fahren zur Messe? Von welchem Bahnsteig? Nichts! Ok – letztlich sind die Photokina-Besucher nicht zu übersehen… einfach hinterher…

Wenn Du dann Köln Messe aussteigst, wird jedem Trottel eine große Tüte mit Zeug in die Hand gegeben. Botschaft: “Hier nimm mit! Wir sind die Größten mit der größten Tüte die du nun bitte den ganzen Tag mit dir rumschleppst. Ach keine Lust? Dann stell sie doch einfach irgendwo hin. Wir schmeissen sie dann weg… ”  - mein grünes Herz blutet.

Ich bekomme ein wenig Angst wenn ich die Masse an Foto-Entusiasten (und ich schreibe bewusst nicht “Fotografen”) sehe, die zur Messe mit Ihrem gesamten Equipment aufbrechen. Hab ich was im Kleingedruckten nicht gelesen? Muß man seinen eigenen Kram mitnehmen? Ich dachte die zeigen mir dort was? Besonders lächerlich: Typen, die mit chinesischen Batteriegriffen ihre Consumer-Cam größer und schwerer machen und nach 10 Minuten bereits zwanzig Tüten um den Bauch hängen haben. Wozu bitte brauchst Du auf der Messe unbedingt eine Kamera mit doppelter Akkuleistung?

Bereits in der ersten Halle weis ich warum: Bodybepaintete B-Nixen schaukeln halbnackt am Stand irgendeines Anbieters von Kompakt-Cams und eine Horde dickbäuchig-sabbernder Batteriegriff-Besitzern mit langen f4,5-5,6 Kitobjektiven knipsen sich den Ständer in der Hose wieder klein. Ok – ich will kein “Foto-Entusiast” mehr sein. Ich flüchte und stehe plötzlich bei den 3D Kameras. Ahh – ok. Viel gelesen, nie gesehen, Hostess gegriffen, Fragen gestellt. Leider kann Sie mir 5 von 6 Fragen (einfachster Natur) nicht beantworten und schlägt mir vor die Seifenblasen Mädels auf der Bühne mit den bereitstehenden 3D-Foto-Apparaten zu knipsen. Das macht jedoch nur Spaß, wenn man das Ergebnis dann in 3D auch ansehen kann – auf einem Monitor oder so… kann man aber nicht… weil das Hallenlicht (Neonröhre 50Hz)  die Technik durcheinanderbringt. Wenn das die fotografische Zukunft ist…

Ok, auf zum Objektiv-Herstelller “S”. Auch hier sind die liebevoll gecasteten Hostessen nicht in der Lage, einfachste Fragen zu Naheinstellgrenzen und Bildwinkeln zu beantworten. Naja – die Infos würde ich auch im Netz finden … aber dann brauche ich ja nicht herkommen… !?

Ich mache mich weiter: Anlaufstelle “Fuji” Ich will sie sehen: Die “Finepix X100” und als ich sie gesehen habe, wünschte ich mir sofort, ich hätte sie nicht sehen wollen und sie wäre weiter ein schöner Traum geblieben. Mein Eindruck: Die Linse ist aus Plastik – fühlt sich eher billig an, die Belederung (bzw. das Belederungsimitat) eher wie das einer Holga. Ok – wir sprechen hier über einen Prototyp!!! Trotzdem glaub ich nicht, daß sich die Anfassqualität noch um 180Grad ändert. Der optische Sucher war – beim Prototypen – mies! Unscharf und verzeichnend an den Rändern. Scharf aber matt in der Mitte. Den “elektronischen” Sucher konnte man nur “simuliert” betrachten – sieht aus wie ein elektronischer Sucher – nicht mehr und nicht weniger… Die gezeigten Testshots (bzw. ebenfalls deren Simulation mit dem Sensor und der Linse) waren durchaus beeindruckend. Doch für den anvisierten Preis (1.000€ laut Fuji) möchte ich persönlich was in der Hand halten, was sich nach 1.000€ anfühlt…

Ich ziehe hängenden Kopfes… wieder vorbei an betüteten “Foto-Entusiasten” die ihre Crop-Cam mit aufgeschraubten Kit Objektiv gegen einen Testchart zimmern –  vor der – wie sollte es anders sein – sich eine dickbusige B-Nixe räkelt. Das ist alles so sinnlos!

Ich gehe in die Halle der “Fotobücher”. Eigentlich eines meiner Haupt-Anlaufpunkte. Ich wollte mir einen Eindruck über die Hersteller machen, neue Möglichkeiten finden, Ideen sammeln…   Huiiiih. 98% der angebotenen Produkte hier liegen irgendwo zwischen “peinlich” und “ganz peinlich”. Ok – auch ein Reinfall…

So, nun Halle 9 – die “Blitzhalle”. Ich bin überfordert. Soviel Licht auf einen Haufen! Die Chinesen verkaufen ihren kopierten Kram und auf der Bühne erklärt ein Superfotograf wie man schön blitzt. Ich will nach Hause! Ist auch fast soweit. Die Türen schließen. Am Ausgang lassen sich die “Foto-Entusiasten” dann noch bei einer Massen-Massage ihre kaputten Rücken kurieren und “vergessen” natürlich die großen Tüten, die sie seit 8 Stunden mit sich rumgeschleppt haben…

Was hat das alles mit Fotografie zu tun?