26
Jan
2015
3

Liebes Tagebuch (1)

Habe neulich einen ganzen Tag damit verbracht, im Bett liegend Tom Waits Videos anzuschauen und hatte dabei nicht mal ein schlechtes Gewissen. Einen Tag völlig sinnlos im Bett zu verbringen, hatte ich mir immer verboten, weiß der Henker warum. Bukowski meinte ja mal: „Die Leute glauben, ich säße Schnäpse kippend und Zigarre qualmend unten im Blarney Stone, an der Ecke 50ste und Main, dabei sitze ich in Wirklichkeit mit einem Handtuch um die Hüfte in der obersten Etage des Spa und sehe mir die Johnny-Carson-Show an.“ – sooo siehts aus, verdammt!

Zurück zu Waits: Wenn ich ihn so auf der Bühne sehe, wie er sich heute mit über 60 bewegt und zuckt und juchzt (ich liebe seinen Auftritt bei Letterman), bleibt augenscheinlich keine Faser seines Körpers für irgend was anderes übrig. Und manchmal bin ich neidisch, weil er sich so herrlich verlieren kann. Der Fleisch gewordene Stimmband-Katarrh verdreht dann die Augen und lispelt mit Absicht… herrlich… Als ich in den frühen Neunzigern noch als zweitklassiger Klavierspieler, sonntags beim Tanztee die musikalischen Lücken füllte, fand ich es irgendwie cool, die alten Damen mit der Übersetzung von Tom Waits Liedern zu erschrecken. Das klang dann so: „Uncle Bill wird nie ein Testament hinterlassen, dabei ist sein Tumor so groß wie ein Ei. Er hat eine Geliebte – sie ist ein Puerto Ricanerin. Ich hörte, sie hat ein Holzbein… … und nun „Strangers in the night“ für die Dame in blau “. Und ich labte mich an den verstörten Blicken der Tanztee-Damen. Aus heutiger Sicht verstehe ich meinen Humor von damals auch nur noch bruchstückhaft. Nunja, ich war Anfang zwanzig und wusste auf eine sehr merkwürdige Art zu unterhalten, aber ich hatte Spaß! Außerdem orientierte ich mich damit eng am Meister. Waits brachte es nämlich mal ganz wundervoll auf den Punkt: „I have no use for the truth – den Leuten ist es doch egal, ob du die Wahrheit erzählst oder nicht, sie wollen bloß, dass man ihnen etwas erzählt, was sie noch nicht gehört haben.“. Wenn man das als gegeben hinnimmt, lebt es sich irgendwie auch befreiter.

Was war noch? Achja: Letzte Woche habe ich mir so ein Gitzo Stativ mit Markins-Kopf gekauft. Ich hasse ja Stative eigentlich. Deshalb hatte ich auch nur so ein olles Vanguard (sorry, ich fand das mal echt toll!). Der Kopf dazu sieht aus wie eine Gardena-Schlauch-Pistole. Als ich neulich die Pentax beim Business-Shooting auf ebendiesen Vanguard-Gardena-Kopf schraubte, kam ich mir dann doch komisch vor. Das sah irgendwie scheiße aus. So würdelos… Deshalb habe ich ein paar Leute gefragt, die sich mit Stativen auskennen und die sagten mir, es müsse so ein Carbon-Gitzo sein, wenn ich nur noch ein Stativ in meinem Leben kaufen wollen würde. Das aber dann bitteschön mit einem Markins Kopf. Alter!?? Ein Stativkopf für über 400 Tacken!??? Naja, ich habe ja gerade ne Menge Zeug verkauft, deshalb saß der Rubel auch etwas lockerer. Für die 400,-€ gab es den Markins-Kopf dann allerdings ohne diese Platte, die man an die Kamera schraubt. Die kostet 50,-€ extra… Herrje. Ich bin wahrscheinlich zu verschroben, um das zu verstehen…

Die kommende Woche ist herrlich voll mit Terminen… Mindclass, Business Shootings, ein Einzelcoaching… tut meinem Cortisol-Spiegel mal ganz gut.

Notiz an mich: „Das Glück besteht nicht darin, dass du tun kannst, was du willst, sondern darin, dass du immer willst, was du tust.“ (Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi)

 

Dein Stilpirat

 

P.S. Nach dem letzten Blogupdate, war die Kommentarfunktion hier aus irgendeinem Grund plötzlich wieder aktiviert bzw. ich muss sie für jeden neuen Beitrag immer wieder neu deaktivieren. Ich weiß auch nicht warum. Jedenfalls vergesse ich das nun manchmal. Fand ich irgendwie auch wieder lustig – Kommentare zu lesen. Ich weiß jetzt aber nicht, ob das jetzt gerade hip ist. Soll man die Kommentar-Funktion nun öffnen oder ist das irgendwie doch so 2000er… Vielleicht helft ihr mir. Ich will nicht uncool sein.

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