19
Mai
2014
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Liebe Susanne

Ich erinnere mich noch ganz genau, wie du mir hier im Oktober letzten Jahres gegenüber gesessen hast. Es war der zweite Tag der Masterclass und wir beide sind in dem Moment der Einzelsession. Dir liefen die Tränen über die Wange und ich dachte: „Scheiße, was hab ich denn jetzt gemacht!?“ Ich hatte dir ziemlich eindeutig die Meinung gesagt. Hatte gesagt, wie ich dich sehe. Es ging darum, gefangen zu sein in seinem eigenen Scheiß und immer nur so zu fotografieren, wie die anderen es von einem wollen – immer genau das zu machen, was die anderen von dir erwarten und dabei gar nicht zu merken, wie du dich immer mehr selbst aufgibst. Deine Situation war – zugegeben – nicht wirklich einfach, mit Mann und Kind und Kegel, mit Verantwortung und all dem anderen Ballast…. Wir haben uns dann gedrückt und du meintest, dass ich „scheiße-noch-eins“ Recht hätte und du selbst nicht so genau weißt, wie du da raus kommst. Am Abend dann quatschten wir darüber, wie wichtig es sei, seine eigenen Ziele zu finden und seinen Weg zu gehen… und als wir uns verabschiedeten, meintest du, du wüsstest jetzt ziemlich genau, was du morgen machen wirst. Ich muss zugeben, daß mir in dem Moment echt ein wenig mulmig zumute war. „Mach keinen Scheiß!“ hatte ich noch gesagt. Erinnerst du dich??

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Eine Woche später, hast du mir Bilder geschickt von einem Haus, was du mieten wirst – als Studio. „Wow“ dachte ich – die meint es ernst. Und verdammt – ich gebe zu – mein Gefühl fuhr mit mit Achterbahn. Was, wenn ich dich jetzt mit meinem Gebabbel ins Unglück stürze? Ein Haus mieten – für Kinderfotografie… sie hat Familie…!? Ok, sie wird wissen was sie will und lebt ihren Traum. Und wenn es nicht klappt, dann weiß sie, dass sie es probiert hat! Susanne – ich meine Hochachtung vor dir wuchs beträchtlich!
Und im Januar finde ich das Haus plötzlich in meiner Timeline…

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Susanne, Susanne, Susanne… Ich verrate dir jetzt mal ein Geheimnis: Ich hätte nicht gedacht, dass du es durchziehst! Ich dachte sofort bei mir: Bitte Mädchen, spann alle ein, die dir was bedeuten. Denn wenn du in deiner Situation „gegen“ etwas kämpfst, wird das etwas zerstören. Wenn du für etwas kämpfst, wird es klappen… und dann sah ich diese Bilder …
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BÄHM! Dein Mann und Deine Tochter stehen hinter dir!! Ich rief meine Frau zum Rechner-  „Erinnerst du dich an Susanne?“ – und ich zeigte ihr diesen Eintrag und ein „Wahnsinn!“ schoss aus ihr raus. Und ich erinnere mich, dass alle anderen Teilnehmer dieser Masterclass kommentierten und dir alles Glück und viel Kraft wünschten! Und ich dachte, „Wow – was für eine geile Gruppe“. Welch gute Energie aus diesem Wochenende hervor gegangen ist.

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Susanne, ich habe dich gestalked und mir deine Fotos angeschaut. Weist du eigentlich, wie sich deine Art der Fotografie verändert hat, seitdem du „deinen Stiefel“ durchziehst? Das Zeug, was du in deinem eigenen Studio fotografierst, ist soviel besser, als der Kram, den du mir hier damals in der Masterclass vorgelegt hast. Es ist etwas passiert, was ich „Knoten lösen“ nennen würde…

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Und als ich aus Ghana kam und diesen Eintrag hier sah: 

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… trieb es mir fast die Tränen in die Augen. #365grateful – wie geil ist das bitte???? Du bist über dich hinaus gewachsen, hast den „Zweiflern“ und „Kalkulierern“ den Mittelfinger gezeigt und dein Ding durchgezogen. Du hast Mut gehabt, andere Leute angesteckt und dem verschissenen Universum gesagt, was du willst! Und ich sehe dieses Bild von dir, wie du vor deinem eigenen Studio stehst und so unendlich glücklich bist. Und weißt du was? Das alles hast du geschafft! Du! Niemand anders. Du rockst! Und das Gesicht, dass ich da sehe, hat nichts mit dem Gesicht zu tun, welches du hier in der Masterclass „aufhattest“.  Und immer wenn dein Hashtag #365grateful in meiner Timeline auftaucht, kriege ich ein breites Grinsen ins Gesicht. Eine Sache muss ich dir sagen Susanne: Ich weiß echt nicht, wer hier wen glücklicher gemacht hat. Ich dich oder du mich. 

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P.S. Sorry, dass ich dich für diese Blogpost nicht um Erlaubnis gefragt habe und einfach Bilder aus deiner Timeline geklaut habe. Musst du jetzt durch!