9
Feb
2014
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In die Palästinenser Gebiete – Bethlehem und Ramallah

stilpirat-israel-palestinian-3Tag 4 unserer Israel Reise. Unser Busfahrer wechselt. Albert ist Israeli und darf uns deshalb nicht in die palästinensischen Gebiete begleiten. Unser neuer Fahrer ist  Mahmud – ein Araber. Er ist nicht das erste mal hierher unterwegs. Er gibt uns ein paar knappe Anweisungen: Wir sollen die Pässe bereithalten, vorn bitte anschnallen und Gang frei räumen. Die Grenzposten nähmen Kleinigkeiten zum Anlass, um die Einreise in die Länge zu ziehen oder Einreisende mit Unsinnigkeiten zu schikanieren. Wir passieren den Grenzposten in Richtung Bethlehem jedoch ohne weitere Vorkommnisse. Ein kurzer Blick eines Soldaten in den Bus und 2-3 Fragen auf hebräisch, das war´s. Auf der anderen Seite erwartet uns ein palästinensischer Tourguide, der uns für unsere Fragen zu Verfügung steht. 

Was wir hier auf der „anderen Seite“ sehen, spricht eine eindeutige, traurige Sprache und doch zwingen wir uns, alles möglichst neutral zu bewerten. Wer glaubt, dass dieser Konflikt nur einige Jahrzehnte alt ist, wird immer wieder eines besseren belehrt. Und so sehr das Symphatie-Pendel auch in eine Richtung ausschlägt, so dürfen wir nicht vergessen, das wir nur das „jetzt“ und „ist“ sehen und dadurch schnell ausblenden, „was war“. Unser Tourguide schildert, das der Tourismus in Bethlehem nach der zweiten Intifada komplett eingebrochen sei. Die Geburtsstätte Christi war von jeher immer Ziel vieler Pilger, heute ist davon nichts mehr zu spüren. Stacheldraht, Kontrolltürme und diese riesige Mauer nehmen diesem historischen Ort jede Würde.stilpirat-israel-palestinian-1 stilpirat-israel-palestinian-2 stilpirat-israel-palestinian-4 stilpirat-israel-palestinian-5

Wir treffen Anasta, deren Haus eingekesselt von riesigen Mauern jeder Möglichkeit von  Einkommen genommen wurde. Sie hat damals das Angebot der Israelis, ihr Haus zum Grenzgebiet zu machen und sie zu entschädigen, ausgeschlagen. Nun wohnt sie mit ihrer Familie in einem Haus, das von riesigen Mauern umzingelt ist. Kein schöner Ausblick und für uns alle sehr bewegend. Sie bittet mich, sie zu fotografieren. Ich solle so vielen Menschen wie möglich, von ihrem Schicksal berichten. Man spürt ihre Verzweiflung und sieht anhand solcher Geschichten deutlich, wie unbefriedigend selbst die von beiden Seiten, angestrebte Zweistaatenlösung für das Schicksal Einzelner ist.

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Wir fahren weiter nach Ramallah und müssen dabei wieder über israelisches Gebiet. Ramallah ist Sitz einiger Teile der Regierung und des Palästinensischen Legislativrates.  Auch hier ist es für uns kein Problem, die Grenze zu passieren. Schwere, eiserne Drehtüren ohne weitere Kontrollen und ein riesiges Schild mit dem Hinweis, dass es Israelis verboten ist, die Grenze zu passieren, sind die einzigen „Kontrollen“. Wir sehen bereits, das sich die Rückreise nach Israel weitaus schwieriger gestalten wird. Lange, sehr enge Käfige, in denen Palästinenser teilweise Stunden warten um mit Sondererlaubnis die Grenze zu passieren. Die Grenzposten sitzen derweil hinter schusssicherem Glas. Drüben auf der palästinensischen Seite, stapeln sich wartende Busse und Autos in endlosen Staus auf staubigen Strassen. Ein verbrannter Kontrollturm zeugt davon, dass man mit der Situation hier mehr als Unzufrieden ist. Wir quälen uns durch den Verkehr und schauen stumm und kopfschüttelnd aus dem Fenster.

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Als wir ein Stück durch die Innenstadt laufen, werden wir von Passanten mit einem lautstarken „Welcome to Palestine“ begrüßt. Am Abend treffen wir uns mit einer Vertreterin der PLO, die uns ihre Positionen des Konfliktes darlegt. Irgendwie hatte ich bisher ein anderes Bild der PLO. Wir bekommen hier eine weltoffene, freundliche und wenig radikale Präsentation, die uns fast hoffen lässt, dass eine Einigung mit Israel möglich sei. Doch wie so oft: Es ist nur eine Seite des Konfliktes. Wir bekommen in den nächsten Tagen noch ausreichend Möglichkeit, uns mit Details der zweiten Intifada auseinanderzusetzen, die uns mehrfach tief schlucken lassen. Nichts ist, wie es scheint und alles ist komplizierter als man glaubt.

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Noch tief am Abend machen wir uns auf den Rückweg. Gefühlsmässig irgendwas zwischen ratlos, bedrückt und hoffend. Alles wäre besser als das hier. Am kommenden Tag wollen wir uns mit dem Gründer von „Breaking the Silence“ in Hebron treffen. Eine unserer Gastgeber winkt ab:  „Das tu ich mir nicht an! Hebron zieht mich immer komplett runter.“ Sie sollte Recht behalten. Ramallah und Bethlehem waren nur der Einstieg…

(Fortsetzung folgt…)

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