19
Jan
2013
1

Halong Bay | Cat Ba | Viethouse Lodge

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2 Tage Hanoi sollen mir reichen. Ich bin nicht der Typ, der sich stundenlang durch Sehenswürdigkeiten quält – im Grunde hab ich gesehen, was ich sehen wollte  (und Hanoi ist nicht New York). Mein Bus in Richtung Halong Bay soll 8 Uhr morgens starten. Vorher lädt mich Heiko aber noch zu vietnamesischen Frühstück in sein Hotel in der „Hang Hanh Street“ ein – Nudelsuppe mit Blutwurst – hui (muss man sich erst dran gewöhnen, ist aber lecker). Heiko ist Berliner und lebt seit 7 Jahren zusammen mit seiner Frau „Ly“ in Vietnam. Er ist eine Seele von Mensch und möglicherweise habe ich bei ihm einen hilflosen Eindruck hinterlassen, denn er kümmert sich seit meiner Ankunft in Vietnam rührend um mich. Heiko und Ly haben neben dem Hotel in Hanoi eine sehr schickes Hotel auf der Insel „Tuan Chau“ in der Halong Bucht in dem ich die nächsten beiden Tage bleiben werde. Gut – eigentlich will ich ja Couchsurfing, andererseits hab ich bei den Beiden nach so kurzer Zeit das Gefühl, zur Familie zu gehören – also ist es irgendwie doch „Homestay“ 🙂 Noch während ich über der Nudelsuppe, mein falsches Schuhwerk und die damit verbundenen Schmerzen am Fuß beklage werde ich von ihm mit Pflastern versorgt. Ich versichere lautstark meinen Fehlgriff in den nächste Tonne zu werfen und mir anständiges Schuhwerk nachzukaufen, als er einwirft: „Na du bis mia dat rischtije – und wo willse innen Land wo et nur kleinfüssije Menschen jibt, Schuhe in 45 kriejen? Kannse vajessen! Frach misch!“ Kopfschüttelnd beschliesst er, mir seine neuen Treter zu schenken und ich spiele mit dem Gedanken, mir ein „Heiko ist der Beste“-T-Shirt drucken zu lassen und es fortan zu tragen.

Der Bus kommt pünktlich 35 Minuten später und wir verabschieden uns. Ich bin offenbar der letzte Fahrgast, den der Touri-ShuttleBus auf seiner Hotel Route abholt. Kein Platz mehr da. Nur noch ein Notsitz. Na prima! Ich quetsche mich auf den Klappsitz ohne Beinfreiheit und denke an die kommenden 4 Stunden Fahrt. Warum hab ich eigentlich immer den Hauptgewinn? Mist! Richtig „Freaky“ wird es allerdings, als der Bus noch 2 weitere Hotels ansteuert und 4 weitere Fahrgäste einlädt. Hokuspokus – der Bus zaubert noch ein paar „Not-Klapp-Sitze“ hervor, was die „Notklappsitz-Sitzer“ zum „hoch-gezogenen-Augenbrauen-mit-dicken-Backen-Gesicht“ veranlasst. Eine sehr kleine und sehr nette Vietnamesin, tauscht ihren komfortablen Platz gegen meinen Notklappsitz und ich lehne diesmal nicht ab. Kurz hinter der Stadt stellt sich auch unser kleiner vietnamesischer „Reiseleiter“ vor. Ich hätte ihn auf allerhöchstens 16 geschätzt und er beginnt damit, uns seinen Namen zu erklären: „Hello my „frens“ – my name is „Tschguangd“ (oder so). Ich frage mich ernsthaft, wie eine Mutter ihrem Kind einen Namen geben kann, wo man Angst haben muss dass man beim Rufen sein Rachenzäpfchen verschluckt.  „Tschguangd“ (oder so) meint jedoch, wir sollen ihn „Charlie“ nennen. Er scheint den großen Ratgeber „Wie mache ich auf einer Butterfahrt alle Gäste glücklich“ studiert zu haben, denn nun versucht er die Stimmung damit zu heben, dass er lautstark die Länder der Fahrgäste aufzählt. Wir sollen – wenn wir dran sind – beide Arme heben. Ich bin sehr froh, dass er keine „Karaoke Maschine“ mit den Nationalhymnen vorbereitet hat und setze meine Kopfhörer auf – weg bin ich!

Nach 2 Stunden ist Pipi-Pause und wir werden trotz gemeinschaftlich voller Blasen, zunächst durch einen nicht enden wollenden Souvenir-Palast geschleust. Die Beine gekreuzt, humpelt der Businhalt durch das Geschmacksverirrungszentrum. Wir sind nicht der einzige Bus hier und ich wette, irgendeiner der Fahrgäste hat es nicht mehr ausgehalten und hier irgendwo in die Ecke gestrullt. So roch es jedenfalls. Nach 2 weitere Stunden lädt mich der Bus an einer Ecke aus. Die restliche Strecke zu Insel Tuan Chau geht es mit dem Taxi.  

Heikos Tochter „Caroline“ empfängt mich mit lecker Kaffee in der „Viethouse Lodge“. Nach den Strapazen der letzten Tage ist das hier das Paradis. Das Hotel bietet einen traumhaften Blick auf die Halong Bay, ist geschmackvoll eingerichtet und mein Zimmer ist ein Traum.

Ich beginne den Tag zu lieben! Ich bin nach ein paar Rotwein in redseliger Laune und lass mir Ausflugstipps für den nächsten Tag geben. Nach meiner Touri-Shuttle-Farce, hat Caroline genau das richtige Gespür und schickt mich am nächsten Morgen auf die Insel „Cat Ba“. Ich solle einfach die Fähre nehmen, mir in „Cat Ba“ ein Moped leihen und die Insel auf eigene Faust erkunden. Gesagt getan. Der rostige Seelenverkäufer bringt morgens um 7.30 Uhr nur eine Handvoll Leute auf die Insel. Die einstündige Überfahrt durch die Felsen der Halong Bucht ist wunderschön. Es ist verdammt neblig, dadurch aber auch irgendwie mystisch.

 

In Cat Ba angekommen will ich ein Moped leihen und stelle erschreckend fest, dass ich weder meinen Pass noch eine Kreditkarte mithabe und keine „Kaution“ hinterlegen kann. Dem Moped-Verleih ist das schnuppe – eine Kaution braucht er nicht. Auch knöpft er mir gerade mal 100.000 Dong  (etwa 4€) für den ganzen Tag Mopedfahren ab. Ok!? Er fragt nur „are you a good driver?“ und ich gebe ihm mit zusammengekniffenen Augen zu verstehen, dass ich „Mr. Easy Rider“ bin. Diese Bemerkung hat er nicht verstanden und ich steige schulterzuckend auf. 5 Minuten später düse ich über die kaum befahrenen Serpentinen entlang der Küste und kann mein Glück nicht fassen. Kein Auto weit und breit. Hin und wieder ein paar Schulkinder auf dem Fahrrad. Sonst nichts. Wow ist das schön hier! Ich brülle mein Glück übermütig in den morgendlich-nebligen, vietnamesischen Himmel. „Yeeeeeeeehaaaaaaaw!!

 

Irgendwann komme ich an ein Reservat. Nur vietnamesische Hinweisschilder. Mopeds sind nicht erlaubt. Ich beschliesse, die Karre abzustellen und mache mich zu Fuss auf den Weg. Ein steiler Weg führt auf einen der unzähligen Berge. „Two Kilometers“ sagte die Frau am Eingang und ich beginne zu begreifen, dass diese 2 Kilometer kein Spaziergang werden. 45 Minuten später sitze ich, nach Luft japsend und mit einem gefühlten Puls von 300 auf dem Berg und schaue über die Insel. Scheisse! Ich hab keine Kondition mehr! Jahr für Jahr nehme ich mir vor, mehr Sport… ach was solls! Aber der Ausblick war es wert! Es ist windig und arschkalt und ich bin froh, dass ich mir in Hanoi von einer vorbeiziehenden Marktfrau eine Mütze aufschwatzen lies. 

Morgen verlasse ich diesen wunderschönen Ort. Schade eigentlich. Hab mich hier sehr wohl gefühlt. Heiko und Ly haben mir für die nächsten 5 Tage eine Route in Richtung Süden abseits aller Touristenpfade zusammengestellt und einen Fahrer besorgt. Es sind über 1.000 Kilometer schotterbepistete Strassen entlang des Ho Chi Minh Pfades. Ich habe neue Schuhe, eine Mütze, mittlerweile sogar ein vietnamesisches Handy und bin glücklich!

Euer Stilpirat

 

P.S. Ich bin überwältigt von all Euren tollen E-Mails. Ich hoffe, Ihr habt Verständnis dafür, dass ich hier keine Zeit habe, alle zu beantworten. Ich freue mich sehr, dass Euch meine kleinen Berichte so gefallen. Mit Sicherheit wird es auch noch eine Blogpost mit dem von mir verwendeten Equipment geben.  Also Geduld!

 

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