22
Jan
2010
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Die große Krake Apple

Oooch was wurde ich in den Neunzigern belächelt und getadelt. Ich arbeitete an einem Apple Performa 475, später dann auf einem Performa 6400 und sogar eines der ersten bunten iBooks nannte ich mein eigen. Kritisch beäugt und von meiner Umwelt missverstanden, mußte ich endlose Diskussionen über zu inkompatible und teure Hard– und Software führen und erntete ob meiner Gegenargumentation der Systemstabilität und des fehlenden Rumärgerns, hähmisches Schulterklopfen.

Im Jahr 2010 sieht die Situation ein wenig anders aus. Apple baut nicht mehr nur stabile Rechner, hat nebenbei mit dem iPod nicht nur die Musikwelt revolutioniert, sondern ist innerhalb kürzester Zeit auch zum gefürchtetsten Smartphone-Hersteller geworden. Und eine ganze Branche – starr vor Angst – fürchtet sich vor der nächsten Keynote und der Höhe der nächsten Messlatte.

Und genau die gleichen Rum-Unker die mir in den Neunzigern schon auf den Sack gingen, haben nun einen neuen Feind: Apps! Oh mein Gott! Um es mit Trapattonis Worten zu sagen: Was erlaube Apple? Da erlaubt sich „Über-Steve“ doch tatsächlich ein funktionierendes Geschäftsmodell zum Verkauf von Software über einen eigenen Store aus der Taufe zu heben und macht Software Entwickler über Nacht zu Millionären. Nach Jahren der Starre, in denen die Entwickler ohnmächtig zusehen mußten, wie Ihre Arbeit kostenfrei von Hand zu Hand wanderte, wird wieder Geld verdient. 3.000 verkaufte Apps pro Minute sprechen eine deutliche Sprache!

Die Kollegen von Spiegel-Online sehen das allerdings ein wenig anders. Sie nennen in ihrem Artikel „Zwangsjacke für das Internet“ Apple iPhone-Betriebssystem wirklich „innovationstötent“ und „monopolfördernd„. Hää? Hab ich da irgendwas nicht mitgekriegt? Das iPhone, welches von jedem Smartphone Hersteller dieser Welt aufs billigste kopiert wird und dessen Bedienkonzept mittlerweile zu einem Standard in diesem Bereich anvanciert – innovationstötent? Begründet wird dies im Spiegel Artikel mit der Kontrolle die Apple auf die im Store verfügbaren Apps ausübt und sich das Recht herausnimmt, Apps gar nicht erst im App-Store zu zulassen.

So, nun mal nachgedacht ihr Schlaumeier:
Was würde denn passieren, wenn Apple keine Kontrolle ausübte: Geschmacksfremde Möchtegern-Programmier würden den AppStore mit unnützen Pups-Apps fluten (wobei es hier leider schon genug gibt) und den Store mit Dünnsinn unüberschaubar machen und damit sein Ende besiegeln. Am Ende würde es genau so wie in der Windows Fraktion aussehen. Ständig abstürzende Software mit unüberschaubarem Bedienkonzept die Augenkrebs verursachen.Ich habe bisher von den Kollegen Spiegel-Schreiberlingen leider auch noch keine Petition gelesen, in denen Siemens dazu aufgefordert wird seine Waschmaschinen für Entwickler freizugeben. Aber Apple – das ist ein schöner Feind!

Und weiter lese ich in eben diesem Spiegel-Artikel:
„Wenn es eine derartige zentrale Kontrolle über Software schon in den Achtzigern gegeben hätte, gäbe es heute kein Internet, wie wir es kennen. Die schöpferische Kraft, die YouTube und Wikipedia, Skype und Ebay, das Failblog, Freemail-Accounts, Firefox und massenweise andere kostenfrei nutzbare Software hervorgebracht hat, kann sich nur entfalten, wenn Ideen sich auf offenen Plattformen unreglementiert und manchmal sogar ohne kommerziellen Hintergedanken entfalten können.“

Nunja, ich verstehe: Gerade Apple ist ja dafür bekannt, das sie sämtliche Innovationen vor der Welt zurück und ganz allein für sich behalten – richtig? By the way: Apple war der erste Computer-Hersteller bei dem in den Produkten der Zugang zum Internet serienmäßig eingebaut war.
Auch die Zeile „massenhaft kostenfrei nutzbar“ gefällt mir! Die Samariter von Skype, Youtube und Ebay schenken uns ihre Software Innovationen . Gaaanz lieben Dank!!!

Ich lese in letzter Zeit immer öfter Artikel in denen zu diesem Thema völlig kenntnisfrei herumargumentiert wird. Lasst doch bitte mal Journalisten an solche Themen, die das Zeug selber nutzen über das sie da schreiben.

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Hallo Steffen, wo lässt du eigentlich deine Fotos und Fotobücher drucken?
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12 Responses

  1. Pingback : iPad – der große Wurf? Ja! | Der Stilpirat

  2. Das hätte ich nicht treffender formulieren können :-). 

    Ich freue mich auf Mittwoch, wenn der Medienwelt mal ein funktionierendes Geschäftsmodell angeboten wird. 

    Und ich wette, Spiegel online wird ganz vorn mit dabei sein, wenn ich mir über mein iDingsbums ein Artikel oder Magazin kaufe oder aboniere.

  3. Der Punkt weshalb Apple die Apps kontroliert liegt genau darin, das Software, welche nicht lizensiertes Material entält, Jugendgefärdend ist oder Schadsoftware darstellt, aussortieren soll.

    Spiegel Online wäre die erste Nerdadresse im Netz die beim kleinsten Problem mit der Headline: Tausende von Kindern laden sich Apps mit pornografischem Inhalt von Apple, propagandieren würden.

    Apples Konzept liegt nicht im Knebeln der Nutzer, sondern darin ein enges Korsett von Hard & Software zu schnüren, das alle Parteien eine bestmögliche Nutzung garantieren. Hardware / Software / Nutzer / Entwickler / Hersteller -- das das in der Windowswelt ja seit Jahren nicht klappt, das

  4. Moin Steffen,
    vielen Dank für deine Erläuterung -- ich finde deine Sicht auch sehr interessant. Ich sehe meine persönliche ‘Wahrheit’ zwischen diesen Artikeln.

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