8
Jun
2009
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hardberckAnalog oder Digital?

Digital Natives verstehen diese Frage schon mal gar nicht  und so muß ich jedes mal diskutieren wenn mein 3-jähriger Sohn die die Rückseite der Uralten Rollei untersucht um das eben geknipste Bild zu sehen. Hier wächst eine Generation nach, die mit der Ästhetik digitaler Bilder aufwächst und die Analogfotografie mit dem damit verbundenen Aufwand nicht nachvollziehen können. Analogfetischisten hingegen stellt sich die Frage gar nicht – sie können nicht nachvollziehen, wie man digitalen Bildern etwas abgewinnen kann, geschweige sie überhaupt in die Auswahl „perfekter Fotos“einbezieht. Für mich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen…

Ich bin ein klassischer ADA User (analog-digital-analog). Ich begann in sehr frühen Jahren mit einer russischen Mittelformat und entwickelte das Material in der Schüler-AG selbst. Das Hobby schlief dann etwas ein bis ich mich für Digitalfotografie begeisterte, denn nun kostete der Spaß nicht mehr das Vermögen welches ich nie besaß. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich wieder mehr mit analoger Technik. Dies hat jedoch nicht nur mit der Ästhetik der Bilder zu tun sondern vor allem mit der Arbeitsweise. Durch die Digitalfotografie „verlernt“ man recht schnell, worauf es ankommt. Man knipst schnell mal in der Gegend rum, fotografiert Motive die keine sind und löscht unliebsamen Kram eben schnell wieder – es kostet ja nichts!
Mit einer analogen Kamera geht man etwas anders um, denn jedes Bild kostet nicht nur Geld sondern ist auch mit einem gewissen Aufwand verbunden (Filme bestellen, lagern, einlegen, entwickeln, warten etc.). Hier achtet man auf Bildkomposition, die richtige Belichtung und vor allem den richtigen Moment. Vom Moment des Schulterns der Kamera bis zum Moment des Auslösens vergeht Zeit und oftmals ist das Motiv dahin – das passiert Dir mit eine digitalen Kamera nicht so oft. Sie ist schnell Startklar – im schlimmsten Fall benutzt du die Automatik und drückst ab!  Ich hab mir angewöhnt bei besonders schönen Motiven gleich Bildserien zu knipsen und schiesse mit meiner D90 manchmal 10 Bilder am Stück – eines wird schon dabei sein! Digital Natives haben mit einer solchen Arbeitsweise kein Problem – sie hinterfragen dieses Vorgehen nicht, denn worauf kommt es letztlich an? Auf das Foto oder wie es gemacht wurde?

Wer noch nie durch den Schacht einer Mittelformat gesehen hat wird die Diskussion um „digital oder analog“ nur bedingt nachvollziehen können. Die Konzentration auf den richtigen Bildausschnitt, der Umgang mit dem Belichtungsmesser, das manuelle Fokussieren und Auswählen der geeigneten Blende und Belichtungszeit schärft die Sinne und Reflektiert das eigene Handeln. Niemals würde man einfach nur so „knipsen“. Und wenn der Moment, den man einfangen wollte vorbei ist, der Zauber dahin, ärgert man sich und konzentriert sich auf das nächste Bild. Und nach 12 Bildern ist der Rollfilm eben voll…

Ich denke es ist möglich sowohl mit digitaler als auch mit analoger Technik das „perfekte Foto“ zu schiessen. Die Chancen sind unterschiedlich vergeben. Digital draufzuhalten und alles mitzunehmen bis einem der „golden Shot“ gelingt oder ein Bild zu komponieren und mit Bedacht die Bildkomponenten zusammenzufügen – das Resultat rechtfertigt die Mittel. Schön, daß uns Fotografen heute beide Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Für alle, die die Kosten als Argument gegen Analogfotografie hervorbringen wollen sei gesagt: Es gibt auch günstige Wege! Eine Holga oder Golden Half kostet weniger als ein Diskobesuch. Mein Kollege Spiegelberg (spiegelberg.org) unterhält einen sehr interessanten Blog zu diesem Thema und die Ergebnisse hier können sich wirklich sehen lassen!

Meine Fundstücke dieser Woche und – für mich – perfekte Fotos:

Nils Holgersson (Schweiz)

"p o o l. X" von Nils Holgersson (Schweiz)

ambra aus Klang

"Rainbows End" von ambra aus Klang

Ulrike S. Hardberck

__o__oO_OO_o von Ulrike S. Hardberck

Links zu den Fotografen: Nils Holgersson: http://photho.ch | ambra |Ulrike S. Hardberck

Weitere Folgen dieser Serie:

Folge 1 (Atmosphäre)
Folge 2 (Qualität)
Folge 3 (Equipment)
Folge 4 (Motiv)

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Interview mit Andreas Chudowski

4 Responses

  1. Pingback : Naturtalent | Der Stilpirat

  2. Pingback : Maritimes Toycamera-Festival - spiegelberg dot org

    1. Nun ja… da hat der verehrte Kollege Spiegelberg just in der Woche in der ich seinen Blog verlinke selbigen ins Nirwana geschossen und von vorn angefangen. Respekt! Ein Blick lohnt trotzdem, denn er hat just für dieses Thema eine Blogpost verfasst und seine Schmuckstücke mit Beispielbildern versehen. Vielen Dank dafür!

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