23
Jun
2009
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Aus der Fotokiste: Hamburg

Queen Mary IIMich erreichen immer mal wieder emails zu dem einen oder anderen Bild auf meiner Flickr Galerie oder meiner Portfolio Seite. Manchmal interessiert mich selber, welche Einstellungen ich bei der einen oder anderen Aufnahme hatte und krame in der digitalen Fotokiste um die Exif Daten zu studieren. Hier fallen mir in letzter Zeit immer mal wieder ein paar fotografische Schätzchen in die Hände, die ich unbedingt in die Welt  schreien möchte und so starte ich heute mit einer neuen Rubrik „aus der Fotokiste“.

Beginnen möchte ich mit Aufnahmen bei denen die meisten Nachfragen kommen: Dem Einlauf der „Queen Mary II“ im Hamburger Hafen im Juni 2004…Es war der erste Auftritt der großen Dame in Hamburg, dementsprechend wurde die große Werbetrommel gerührt und alle Standortzeiten im Vorweg im Detail bekanntgegeben. Ich wollte unbedingt beim Einlauf in den Landungsbrücken dabei sein und Fotos machen, obgleich ich wusste daß hier hunderte Verrückter bereits nachts die besten Plätze sicherten. Ich war relativ gelassen, denn ich wohnte seinerzeit in Wilhelmsburg mitten im Industriegebiet und hatte es nicht weit bis zum Zielort.
Mein perfider Plan: Ich stelle mich einfach auf die andere Seite der Elbe! Ich kannte einen alten Schleichweg vorbei am Wasserwerk. Mit etwas Balancieren und Mut war es keine große Sache und so ging ich abends entspannt ins Bett und stellte mir den Wecker auf 5 Uhr – das sollte reichen…

Kurz nachdem mich der Wecker dann um 5 aus den Federn holte und ich noch völlig verpennt auf dem Weg ins Bad war, vernahm ich bereits das Hupen des Megadampfers… Sch…seeeee!
Ich warf mir irgendwas über, griff meine Fototasche und rannte los… 10 Minuten Weg hatte ich vor mir OHNE Schleichweg… und die alte Dame hupte nun im Minutenrhythmus…

Ich rannte um mein Leben und die Ganze Sache bekam irgendwie eine übertriebene Eigendynamik…  Ein Wunder, daß ich ohne ernsthafte Schäden an Gesundheit und Equipment gerade rechtzeitig ankam. Die Queen Mary II baute sich direkt vor mir auf als wolle sie mir Angst einflößen. Ein gigantisches Schiff mit 360 Metern Länge und 72 Metern Höhe – ein schwimmendes Hochhaus!

Völlig (und ich meine VÖLLIG!) aus der Puste und zittrigen Fingers nahm ich die Kamera und hielt drauf… Zeit zum Lichtmessen und Einstellen hatte ich nicht… und dummerweise mein beschissenstes Objektiv drauf (Sigma 17- 35 mm, 2.8 EX) oooocchh! Die Wechselobjektive hatte ich zu Haus in der anderen Tasche! Mahlzeit!

Nach 5 Minuten war der Spuk dann auch vorbei und ich setzte mich auf die Beton-Kante einer alten Mauer und kam erstmal runter… Die ersten Eindrücke auf dem Display der Kamera waren ganz ok – hauten mich aber nicht um. Die Sigma-Linse hätte ich am liebsten sofort ins Wasser werfen können, damit sie nie nie wieder aus Versehen auf meiner Kamera landet! Schärfe ist was anderes…

Wieder zu Hause, setzte ich mich an den Rechner und holte alles aus den Aufnahmen raus, was rauszuholen war und das Ergebnis beeindruckte mich selbst ein bisschen:

Queen Mary IIQueen Mary IIQueen Mary IIQueen Mary II

Equipment: Nikon D70, Sigma 17-35 mm, f8, 1/250

Ein ausführliches „Making of“ in Photoshop gibts hier: Making Of “Queen Mary”

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3 Responses

  1. Pingback : Die Queen Mary II auf Ilford HP5 | Der Stilpirat

  2. Einige meiner besten Bilder sind ähnlich entstanden. Zufall führt auch noch im digitalen Zeitalter zu guten Ergebnissen. Qualität ist auch nicht alles. Charakter entsteht oft nicht durch Perfektion allein.

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