9
Nov
2009
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20 Jahre…

89Jeder, der heute vor 20 Jahren irgendwie bei Bewusstsein war, kann sich genau daran erinnern wo er gerade war als die Mauer fiel. Es gibt unzählige Geschichten, Eindrücke und Erlebnisse die meine Generation mit dem 09. November 1989 verbindet. Von diesem Tag an war plötzlich nichts mehr wie es war. Die Welt, geteilt in Ost und West geriet aus den Fugen und die atemberaubendste Party der Geschichte der Deutschen wurde gefeiert. Ich bin unsagbar glücklich, daß die Geschichte es gut mit mir gemeint hat und mich teilhaben ließ.

Es gibt Erinnerungsfetzen an die ich mich bis heute erinnere – so als wären sie gerade passiert. Der Fernseher lief nebenbei und Schabowski stammelte ein paar Sätze von Reisefreiheit und Ausreise.  Ich erinnere mich, daß ich auf dem Bahnhof Halle/Saale eine Fahrkarte nach Berlin kaufte und in einen völlig überfüllten Zug drängelte, in den die Menschen durch die Fenster krabbelten aus Angst nicht mitkommen zu können. Ich erinnere mich an eine kilometerlange Schlange vor dem Übergang Berlin Friedrichsstrasse und den ungläubigen Gesichtern, hier ernsthaft nach West-Berlin zu kommen. Ich erinnere mich an den Stempel des Grenzers in meinem Ausweis, der Fahrt mit der U-Bahn und wie ich am Bahnhof Zoo ausgestiegen bin – völlig geplättet, das Herz bis zum Anschlag rasend – besoffen vor Glück. Den Schluck aus der Flasche Schampus die mir von ein paar Westberliner Jungens hingehalten wurde: „Kommst Du mit zum Brandenburger Tor?“ Angekommen, ausgestiegen – das stehen Menschen auf der Mauer  – auf der Mauer!!! Auf dem selben Abschnitt Mauer, den ich bisher immer nur von der anderen Seite gesehen habe. Ich will auch, kämpfe mich durch die Massen und irgendwann stehe auch ich AUF DER MAUER! Ich stehe auf dieser Scheiss-Mauer! Ich stehe oben und schaue die bemitleidenswerten Grenzer an, die hilflos versuchen irgendwie Ordnung ins Chaos zu bringen. Ich stehe bestimmt zwei, vielleicht drei Stunden da oben und beschliesse mir den Rest von Berlin anzuschauen. Irgendjemand nimmt mich mit in irgendeine Ecke der Stadt die ich nicht kenne. Es ist mittlerweile 08.00 Uhr. Eine Frau schliesst ihren Laden auf. Ich denke: „Wie kannst sie nur den Laden aufschliessen als wär nichts passiert?“

Zwei Tage war ich damals in Berlin – ohne Schlaf und immer auf den Beinen. Auf dem Weg zurück nach Hause dachte ich darüber nach, daß dieser Tag mehr war als nur der Fall der Mauer. Es war der Cut im Lebenslauf von Millionen von Menschen – auch in meinem.

Was habt Ihr vor heute vor 20 Jahren gemacht und wie habt Ihr vom Fall der Mauer erfahren, wie habt Ihr diesen Tag erlebt? Kommentare!

Fotos unter CC Lizenz von  fiahless/felix petersen und songkran/Thomas Brauner


9 Responses

  1. nils

    och ich schaue mir deine seite schon ganz gern an, den blog verfolge ich regelmäßig.
    bei deinem berlinstreifzug mußte ich zwangsläufig an unsreren berlinausflug nach der jugendweihe (?) denken.
    interessant fand ich deine berichte zum thema fotografieren mit redbird usw.
    amüsant fand ich das kleine mißgeschick auf dem flohmarkt mit der alten nikon :D)

  2. nils

    tja ich mußte mir den ganzen spaß im fernsehen angucken, da ich nicht rüber in den „goldenen“ durfte. wie immer war mein personalausweis mal wieder der waschmaschine zum opfer gefallen :o)
    aber jemand mußte ja auf´s kind aufpassen und so machten sich meine frau und meine schwiegermutter zum halleschen bahnhof auf. dort angekommen, wurde meine frau beim anblick der menschenmassen -- die wie du schriebst durch fenster in die schon vollen züge kletterten -- von einer panikattacke ergriffen und teilte ihrer mutter mit, daß sie (heute) im osten bleiben würde :o)
    zwei stunden später stand sie wieder in ha-neu vor der wohnungstür……….

    auch mein leben verlief danach in eine richtung, die so nicht geplant, am ende aber für mich durchaus erfolgreich war. ich möchte diese zeit auch nicht missen, die vor dem geschichtsträchtigen datum aber eben so wenig.

    gruß von deinem klassenkameraden und freund nils

  3. Felix

    Bei solchen erzählungen krieg ich echt ne Gänsehaut. Leider war ich damals auch erst 8 Jahre alt und hab das ganze nur am Fernseher „verfolgt“. Aber ich kann mich noch genau an das breite Grinsen meines Onkels aus Gera erinnern, der gleich am nächsten Tag bei uns vor der Tür stand. Und wie cool ich seinen Trabbi fand. Von hinten sah der für mich aus wie das Batmobil.

  4. Timo

    vor 20 Jahren… da war ich 8 und habe ich mich sicherlich auf Weihnachten vorbereitet 😉

    Aber ansonsten mehr weiß ich da nicht mehr von…

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