29
Jun
2011
0

Mit 18…

Ich hab neulich irgendwo gelesen, dass einem die ersten 18 Jahre genau so lange vorkommen, wie der übrige Rest des Lebens. Das liegt wohl vor allem daran, dass unser Gehirn wiederkehrende Erlebnisse zu einem Gesamterlebnis zusammenfasst. Da die ersten 18 Jahre voller „Premieren“ sind, gibts vom Gehirn noch nichts zusammen zu fassen und deshalb kommen uns die ersten 18 Jahre auch länger vor. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass wir ab dem 18. Lebensjahr einfach ordentlich Ersterlebnisse sammeln müssen, damit wir mehr vom Leben haben.

In meiner Erinnerung hatte ich um die 18 eine saugeile Zeit. Ich hatte gerade mein Elternhaus und meine Heimat verlassen, begann ein neues Leben in einer völlig anderen Stadt – weit weg von zu Hause -, trampte durch die USA und hatte vor nichts Angst.  Aus heutiger Sicht würde ich sagen „ich war blauäugig“ und manchmal kommt es mir vor, als wäre das gestern gerade alles passiert. Wenn mich die alten Haudegen von „damals“ nicht permanent im „stayfriends-Newsletter“ breitgesichtig angrinsen würden, wähnte ich mich viel dichter dran…  Aber egal – alles fügte sich zum Guten, doch in meiner Erinnerung war ich nier wieder so frei wie damals.

Die nächsten 18 Jahre, irrte ich umher, träumte, lernte, liebte, rannte… doch wenn ich ehrlich bin, finden sie in meiner Erinnerung kaum noch statt. Ein paar Eckpfeiler finden sich schon, doch so richtig „drin“ bin ich erst wieder seit der Zeit, dass ich Vater bin und meine berufliche Karriere beendet habe (und eine neue begann). Seit ein paar Jahren platzieren sich eine Menge „Premieren“ in meinem Leben und seitdem ich mich davon verabschiedet habe, mir permanent Gedanken darüber zu machen, ob und wie es laufen kann, läufts.

Ich bin 40 und gerade das erste Mal auf Sylt. Ein Hochzeitspaar fand meine Fotos so schön, dass sie mich mit in die Flitterwochen genommen haben. Ich mach Fotos, gehe am Strand spazieren, sitze unterm Baum und schreibe ne Blogpost. Ich hätte es schlechter treffen können. Manchmal denke ich, etwas eher wäre schön gewesen… egal…
Sylt ist ne schöne Insel. Premiere, Ersterlebnis, Lebensverlängerung – mach ich jetzt öfter – also irgend wohin fahren, wo ich noch nicht war – die Zeit geniessen, den Ball flach halten und Premieren schaffen. Wär doch schade, wenn die nächsten 18 Jahre wieder verschwinden.

23 Responses

  1. Pingback : Was war, was wird… | Der Stilpirat

  2. Pingback : christianrieck | fotografie und mehr » Premieren

  3. Pingback : Fwd: Mit 18… | NejNejNej!

  4. Hmmm, eigentlich nichts neues. 700 km Autobahn sind auch langweiliger als über Land zu fahren und sich diverse Dinge anzusehen. Monotonie ist (vielleicht) bequem, aber öde.
    Die Kunst besteht darin sich immer wieder auf zu raffen zur Veränderung.
    Wer mit 30 oder 40 „alles erreicht“ hat bleibt stehen. Ob man ein Leben ernsthaft verlängern kann, oder ob es nicht eher eine Vertiefung ist die sich wie Verlängerung anfühlt…

    Schön, dass Du unterwegs bist, es Dir gut geht und Du Dein Leben so genießen kannst. Was ich auch schon finde, dass Du versuchst Dein „Erfolgsrezept“ zu teilen.

  5. Ich bin definitv für Lebensverlängerung und muss dir absolut Recht geben! Ich habe das mit den „Veränderungen“ gerade erst irgendwo gelesen -- also das das Gehirn es sich eher merkt wenn es oft Veränderung gab usw. Denke da ist echt was dran! Ich würde mal behaupten -- auf jeden Fall WEITER MACHEN (mit Premieren) :o)

  6. Pingback : Links, Verlinkungen und andere Blogs - benhammer.de

  7. Ben

    Ich konnte viele Jahre an seiner Seite „mitgehen“ und ich liebe es nun, aus der Ferne sowas zu lesen und dann dabei in genau den Erinnerungen zu schwelgen.
    Ach ja

  8. Ich bin zwar erst seit 10 Jahren in der „Zusammenfassung“ aber auch ich habe mittlerweile mitbekommen das die Zeit wirklich wesentlich schneller vergeht.
    Toller Text und du hast vollkommen Recht.

    Meine Sicht dieser Begebenheit ist auch, das man sich bis man 18 wird, auf viel mehr kleine Dinge freut. Die Ereignisse auf die man hinfiebert kommen noch in wesentlich kürzenren Abständen… die nächsten Ferien, Urlaub, Freizeitereignisse usw…

    Seit einiger Zeit versuche ich mir wieder viele kleine Dinge (und auch große) so zu legen, das sie in kleinen Abständen aufeinander folgen… Es müssen dabei nicht mal Premieren sein. Einfach Dinge und Punkte im Leben auf die ich mich freue. Auch das dehnt die Zeit wieder etwas.

  9. Immer wieder Premieren schaffen.. kann einem auch zum Verhängnis werden.. frag mal meine (Ex)Freundin.. Kann auch schnell dazu mutieren, dass man der Jugend hinterherrennt, wenn man nicht aufpasst und sich davor verschließt, „erwachsen“ zu werden..

    Aber sich bewusst machen, wie gut es einem geht, ist wichtig. Allein so kann man sich schon von anderen abgrenzen (wichtig!).

    Ja, die Zeit rennt wie die Sau, aber trotzdem genieße ich jeden Tag! Weil jeder Tag irgendwie geil ist! Kein Spruch, sondern meine Empfindung!

    LG!

    M.

  10. Hoi Steffen,

    das Du ein 1. Klasse-Fotograf bist steht wohl völlig ausser Frage. Aber meinen Riesen-Respekt verdienst Du Dir immer wieder mit solchen Blog-Posts… Los! Lasst uns Premieren schaffen!

    Gruss aus Der Schweiz,
    Falko

  11. Lieber Steffen!

    Vor gar nicht allzu langer Zeit habe ich mich mal mit einer Ähnlichen Angelegenheit beschäftigt… Ich sagte zu einem Kumpel: „Ich glaube, ich habe meine Jugendzeit nie genutzt wie andere um mich herum… war nie großartig weg mit Freunden -- habe dies und jenes nicht gemacht…“ und er sagte zu mir: „Roger! Wenn du es so hättest machen wollen, hättest du es gemacht! PUNKT
    Und er hatte recht… nun lebe ich seit circa 6 Monaten in der Dresdner Neustadt und obwohl ich immer Dresdner geblieben bin… aber ich fühle mich nach Jahren wieder pudelwohl in meiner Haut… und eben wie du auch, fülle ich mein Leben mit Premieren, Ersterlebnissen und und und… und frage dich tatsächlich niemals: „warum nicht eher?“ 😉

  12. bin zwar erst kurz vorm 3er, aber ich kann das Geschrieben schon gut nachvollziehen. Eigentlich rennt die Zeit seit ich im Arbeitsleben bin.

    „Premieren schaffen“ ist ein genialer Gedanke

    Gruß

  13. Hi Steffen,

    ich habe im letzten Jahr die zweiten 18 Jahre volendet und ich muß sagen du schreibst mir aus der Seele!
    Es ist wirklich schwierig, ständig neue Erfahrungen zu machen, denn je älter man wird, desto mehr zieht man sich in seine eigene Komfort-Zone zurück. Dies beschleunigt das Vorbeisausen der Jahre, wie du so schön schreibst.
    Laß uns noch viele Premieren schaffen!

    LG Heiko

  14. Hi Steffen, ein melancholischer Artikel… Früher im Leben wäre es nicht passiert, denn es passiert jetzt, was jetzt erst möglich ist. Lebenserfahrung und ein wenig Blick von oben auf das eigene Leben verändert die Richtung und die Möglichkeiten. Du bist erst jetzt der, den die Leute buchen :-).

    Dein Umkehrschluss ist einfach genial! 😉

Leave a Reply